Lesestoff

Ja, was soll ich sagen…? Voll verschlafen diese wunderbaren Bücher zu rezensieren. Bzw. habe ich meinen Fokus in letzter Zeit auf andere Dinge gelegt als die Blogpflege. Nein nicht Blockflöte! Blog-Pflege!!! Für tiefgehende Rezensionen fehlt mir auch derzeit leider die nötige Ruhe. Aber Empfehlungen kann ich trotzdem mal raushauen.

Triathlon Total – Roy Hinnen

Jetzt bin ich nicht gerade dafür bekannt Spaß am Fahrrad fahren zu haben. Schwimmen gehe ich dagegen ab und an ganz gerne mit meinen Kindern. „Plantschen“ trifft es wahrscheinlich eher. Wobei auf 50 Metern war ich in der Schulzeit tatsächlich relativ schnell. Ab der dritten Bahn lässt es aber auch genauso schnell nach. Als sportlichen Schwimmer würde ich mich also nicht beschreiben. Wie auch immer! Triathlon ist jedenfalls nicht so meine Disziplin. Trotzdem bin ich in den Genuss gekommen dieses Buch zu lesen. Und das meine ich tatsächlich so. Es ist ein ausgesprochen interessantes Buch (nicht nur für Triathleten) mit vielen vielen Tipps zur Technik. Garniert mit Trainingsübungen und sogar Trainingsplänen. Dazu gibt es Hinweise zu Ernährung, Periodisierung und dem richtigen Tapering vor Wettkämpfen. Es ist immer übersichtlich aufgeteilt in die 3 Disziplinen. Immer wieder findet man auch einen QR Code über den man sich Videos zum jeweiligen Kapitel ansehen kann. Alles wirklich sehr durchdacht und hilfreich. Zudem wird jedes Kapitel mit einem Fazit und einem Comic abgerundet, was die Kernaussagen super auf den Punkt bringt. Es geht aber nicht nur um das körperliche Training, die Technik und Co. sondern um viel mehr. Das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist. Wie man sich mental vorbereitet und den Willen stärkt. Dabei werden auch immer wieder außergewöhnliche Wege vorgeschlagen. Jeder Leser kann sich da etwas rausziehen was in sein Lebensmodel passt, ob Hobbysportler oder leistungsorientierter Profi.. Manches ist mir etwas zu spirituell. Anderes kann ich wiederum gut nachvollziehen. Roy Hinnen erklärt einiges anhand seiner eigenen Geschichte und seinen Erlebnissen. Das macht das ganze unterhaltsam und durchaus kurzweilig. Ich gebe zu ein paar wenige Kapitel übersprungen zu haben. Beispielsweise in denen es konkret um Techniken zum Fahrradfahren oder Schwimmen geht. Aber es ist nicht so, dass man mit 2/3 des Buches als Läufer nichts anfangen kann. Es ist eher so, dass 70 oder 80 Prozent einen wirklichen Mehrwert für Läufer haben. Und wer weiß, vielleicht bestreite auch ich ja irgendwann mal einen Triathlon.

Vielen Dank an Iris Hadbawnik und den Sportwelt Verlag zur Zusendung des Rezension-Exemplars!

“Mein längster Lauf“ – Rosie Swale Pope

Kein ganz taufrisches Buch. Aber bis heute eine unglaubliche Leistung was diese Frau da gemacht hat. Sie ist mit allem was sie so zum Leben braucht einmal um die ganze Welt gelaufen. 5 Jahre hat sie dafür gebraucht und hat einiges erlebt. Manchmal geht es mir zu schnell mit den Zeitsprüngen. Und wenn ich das schon schreibe…. Ich bin nämlich eher lesefaul. Doch hier könnte ich einfach noch viel viel tiefer in diese abenteuerlichen Geschichten eintauchen. Dabei geht es gar nicht immer primär ums Laufen an sich, sondern um das drum herum. Ob das die unfassbaren Begegnungen mit Mensch und Tier sind, das pure Überleben oder die ganz private Geschichte dieser faszinierenden Engländerin. Sie ist mitlerweile über 70 und läuft auch jetzt noch durch die Welt. Demletzt erst von ihrem Heimatort nach Berlin. Ich bin beeindruckt und immernoch geflasht von diesem Buch und noch mehr von Rosie.

Passion Laufen – Rafael Fuchsgruber

Brauch ich eigentlich nix zu schreiben. Dass ich Fan bin is ja eh klar. Warum? Erstens: Sein Buch „Running Wild“ hat mich inspiriert und dazu gebracht in die Wüste zu gehen. Zweitens: Ich durfte diesen wunderbaren Menschen kennenlernen, mit ihm laufen und auf meine größten Abenteuer gehen. Iran (ISRU) und Namibia (Namib Desert Race). Wir sind Freunde geworden. Drittens: Auch ich komme in dem Buch vor. Viertens: Es ist wie immer amüsant und unterhaltsam geschrieben. Viertens: Neben mir 😉 kommen auch andere Größen der Laufszene und Experten zu Wort. Und die haben echt was zu erzählen. Und lernen kann man auch einiges. Auch von meinem geschätzten Orthopäden und Hawai Ironman Finisher Frank Schmähling. Und schließlich Fünftens: Es ist einfach ein mega Buch auch haptisch und optisch mit tollen Bildern. Also kaufen und lesen, Leute!

Du kannst wenn du willst – Antje Wensel

Und wo wir schon dabei sind. Auch hier spiele ich eine kleine Rolle. Aber das ist noch nicht mal der Grund warum ich dieses Buch empfehle. Auch nicht weil Rafael hier als Co Autor auftritt. Nein! Einfach weil es ein ehrliches authentisches Buch einer tollen Frau ist. Ich durfte sie in Namibia kennenlernen und war sofort warm mit ihr. Ihre ruhige und angenehme Art kommt auch in diesem Buch gut rüber. Was sie nach Rückschlägen in kürzester Zeit geschafft hat ist einfach hammer. Sie bekam die Diagnose Lipödem, womit eigentlich der Traum geplatzt ist die Welt laufend zu erkunden. Aber nicht für Antje! Sie dachte: Jetzt erst Recht. Dieses Buch ist ein Mutmacher verpackt in eine unglaublich fesselnde Geschichte. Toll!

Einen Somer lang – Denis Wischniewski

Auch diesen Autor durfte ich bereits persönlich kennen lernen. Bei einem „nobs trifft“. Gibts hier auch irgendwo in meinem Blog oder auf meinem youtube Kanal. Und was soll ich sagen. Ich liebe Menschen, die Ziele haben und sie verfolgen. Bei ihm fallen die manchmal auch etwas größer aus. So wie das hier in dem Buch beschriebene. Er wollte von München nach Istanbul laufen. Das hat er auch getan. Jedenfalls fast. Politische Ereignisse hinderten ihn daran die türkische Metropole zu erreichen, nicht sein Körper. Was auf dieser Reise zu Fuß so alles passiert – auch zwischenmenschlich – ist hier aufs feinste sehr bildhaft beschrieben. Das sind genau die Geschichten, die ich liebe. Abenteuer Laufen! Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Film dazu immer noch nicht gesehen habe. Hole ich nach…

42,195 – Matthias Politicky

Sollte man gelesen haben, wenn man Marathon Läufer ist. Kann man auch machen. Habe einiges gelernt und fühlte mich gut unterhalten. So einfach.

Achilles Ferse Band II – Achim Achilles

Knackige Kurzgeschichten über das alltägliche Laufen und das drum herum. Das ganze garniert mit einer ordentlichen Portion Humor. Denke das beschreibt das Buch so wie es ist. Ich musste das ein oder andere Mal laut lachen. Passiert beim lesen sonst eigentlich eher selten. Meine Frau war etwas genervt, weil ich ihr immer wieder kurze Passagen vortragen musste. Sorry, ging nicht anders 😉 Einfach witzig!

Die Trail und das Ultra Running Magazin

gehören ja so oder so zu meinem regelmäßigen Lesestoff. Denis Wischniewski und sein Team machen da wirklich tolle Arbeit. Ob Trainingshinweise, Abenteuer Berichte, Tests oder was man sonst noch so erwarten kann sind hier immer unterhaltsam und informativ verpackt. So sind diese Zeitschriften ein muss für Trailläufer, die an dieser tollen Szene teilhaben wollen.

Share Button

neuer testschuh – topo – phantom

Lang lang ist’s her. Der letzte Tiggedi Test liegt ne Weile zurück. Jetzt ist der nächste Testschuh eingeflattert. Das Phantom von Topo Athletic. Ich bin reingeschlüpft und war direkt begeistert. Scheint mir ne perfekte Mischung aus den bewerten Eigenschaften bisheriger Topos mit ähnlicher Dämpfung wie der ein oder andere Hoka. Aber das ist nur ein erster Eindruck vom Gang durchs Wohnzimmer. Bin sowas von gespannt auf meinen ersten Lauf mit dem Prachtstück…

Share Button

Bienwald Backyard Ultra

Wenn bei einem Wettkampf jemand schneller ist als du, ist das kein Problem. Wenn das aber jemand ist, der nicht mal dabei ist und dann auch noch im Stehen schneller ist als du beim Laufen, dann hast du ein Problem. Und dann ist auch klar, dass das kein gewöhnlicher Lauf ist, sondern eine ganz besondere Veranstaltung. 17 der 18 Starter bei diesem Last Man Standing Lauf werden diesen übrigens nicht beenden. 10 sind gar nicht erst angetreten. Der Gewinner wird so eine Art Chuck Norris des Bienwald Backyards. Alle anderen werden ein DNF erleben. Es wird auch mein erster Did Not Finish, soviel war mir schon vor dem Start klar. Doch wie lange werde ich durchhalten? Wie oft werde ich die 2 Hands Bridge überqueren?

Fakten zum Wettkampf:

Es wird eine 6,706 km Trail Runde gelaufen und zwar zu jeder vollen Stunde. Wenn man nicht 30 Sekunden vor dem nächsten Start an der Startlinie steht ist man raus. Nachts wird auf eine Asphalt Runde gewechselt. Hält man 24 Stunden durch hat man genau 100 Meilen gemacht. Sieger ist der, der alleine eine Runde mehr schafft als die anderen. Natürlich innerhalb der 60 Minuten. Der Gewinner bekommt ein Golden Ticket zu der Mutterveranstaltung in Tennesse (USA) vom legendären Gary Cantrell aka Lazarus Lake, der auch den berüchtigten Barkley Marathon ausrichtet.

Meine ganz persönliche Challenge kann beginnen. Es ist Donnerstag der 20.6. und ich mache mich auf den Weg zum alljährlichen Cousin und Cousinen Treffen in Kandel. Dieses Jahr habe ich das einfach kurzerhand auf das lange Wochenende gelegt. Denn hier findet dieses wunderbare Rennformat statt. Michael Ohler, selbst beknadeter Ultra Läufer (u.a. Western States, UTMB)  hat es auf die Beine gestellt. Er wird von seiner Familie und dem TSV Kandel unterstützt. Man bin ich gespannt wie sich das anfühlt. So richtig trainieren kann man das ja nicht. Ich hab’s versucht, bin aber im Training nicht über 6 Runden raus gekommen. Das ist ein knapper Marathon. Mehr muss ja auch nicht im Übungsmodus. Und so sah das aus der Perspektive meiner Frau und meiner Kinder aus:

Schließlich muss auch das Equipment und die Ernährung getestet werden. Soweit so gut.

Am Vorabend ist also Pastaparty und ich hole meine Startnummer ab. Es herscht eine lockere familiäre Atmosphäre bei lecker Nudeln und Pfälzer Grumbeere mit Quark. Georg Kunzfeld hat 50 Stunden angekündigt. Das wäre Golden Ticket Race Rekord (bisher 41 Runden / Irland). In den USA schaffte Johan Steene 68 Runden beim Big Dog’s Backyard. Das sind in Zahlen: 456 km. Für mich aus einer anderen Galaxy. Wahnsinn! Courtney Dauwalter wurde Zweite mit 67 Runden. Hier in Kandel tritt nur eine Frau an, Jenny-Ann Erling aus Schweden. Ich habe das Glück, dass meine Cousine um die Ecke wohnt, die meisten anderen Läufer schlafen im Auto oder haben ihr Zelt im Stadion aufgebaut.

Ich gehe gut gesättigt etwas aufgeregt ins Bett. Wie vor den meisten Rennen schlafe ich schlecht. Dann stehe ich auf, noch bevor mein Wecker klingelt und mir fährt ein Krampf in die linke Wade. Oh nein! Und das schon vor dem Lauf. Das kann ja was werden. Also nochmal schnell die Waden ausrollen und dann ab ins Stadion.

Ich richte mich, wie all die anderen Läufer, ein. Klappstuhl, Sonnenschirm, Kühlbox, 7 paar Laufschuhe, Getränkepulver, Nüsse, Salztabletten, Mückenspray, Gels etc… Alles muss griffbereit gelegt werden um in den Pausen effektiv und schnellen Zugriff zu haben. Andere haben Supporter dabei, die sich in den Pausen um alles kümmern. Für so ein Format wirklich sehr sehr sinnvoll, wie sich rausstellt.

Nach einer kurzen Ansprache von Michael Ohler erklingt zum ersten Mal die Glocke. Das bedeutet in 3 Minuten geht es los. 2 Minuten vor dem Start erneut und dann noch ein letztes Mal eine Minute vor dem Start. So ist das vor jeder Runde.

Zur ersten Runde ist der Bürgermeister gekommen. Er lässt es sich nicht nehmen den Startschuss für den BBU abzufeuern.

Eine halbe Runde auf der Tartanbahn und dann raus in den Wald. An den Bäumen neben dem Trail immer wieder Schilder mit Motivationssprüchen, die einen zum Schmunzeln bringen. Schon jetzt ist klar es ist eine Veranstaltung in die sehr viel Herzblut gesteckt wurde. Auch die Strecke ist perfekt gewählt. Keine Höhenmeter und dennoch abwechslungsreich genug um viele Runden laufen zu können.

Doch wie soll ich es angehen? Ich habe immer wieder hin und her überlegt. Schneller laufen, dafür längere Pausen? Oder langsam laufen und kurze Pausen? Was ist auf die Distanz wohl die bessere Taktik? Ich entscheide mich dazu es am Anfang sehr ruhig an zu gehen. Immer wieder lege ich Gehpausen ein. Ich nutze dafür Fixpunkte. Eine lange Gerade über eine Lichtung scheint mir dafür wie geschaffen. Hier gibt es auch weniger Stechmücken als im Wald. Am Ende dieser Geraden bin ich am Ende des Feldes. Die hinteren Läufer sind gerade noch in Sichtweite. Ich lasse mich aber nicht verunsichern. Dann geht es wieder über in den Laufschritt und ich schließe wieder auf das Feld auf. Ins Ziel komme ich im hinteren Mittelfeld. So ist das die ersten drei Runden.

Die vierte Runde traue ich mich dann das erste Mal etwas mehr auf die Tube zu drücken. Ich möchte danach die Schuhe wechseln. Während ich das tue bekomme ich einen leichten Krampf im rechten Oberschenkel. Was ist denn heute nur los?! Auch mein Puls macht mir Sorgen. Er ist viel zu hoch für das langsame Tempo. Am Anfang dachte ich das wäre die Aufregung, aber nach vier Runden hat sich das nicht geändert. Seltsam! 20 Schläge höher als normal bei diesem Tempo sollte der Puls auch nicht bei dieser Hitze sein. Egal. Ich schau was geht und habe einfach Spaß.

Also Schuhe wechseln und weiter geht’s. Ich habe jetzt eine Art Routine. Schnelle und langsame Runden variieren scheint mir für mich die beste Lösung zu sein. So hat man immer mal wieder längere Pausen in denen man organisieren kann. Pulver in die Mischgetränke, Uhr aufladen, etc… Außerdem mache ich nach jeder Runde (naja fast jeder) ein Bild von mir um meinen Zustand festzuhalten.

Es läuft jetzt echt gut. Die Krämpfe haben sich nicht weiter ausgebreitet. Das habe ich ganz gut im Griff. Auch das mit dem Essen und trinken funktioniert. Das war ja nicht bei allen meinen Läufen so. Davor hatte ich am meisten Angst. Meine Familie kommt vorbei. Das gibt mir einen zusätzlichen Motivationsschub. Auch die anderen Läufer machen es zu einem tollen Event. Es es lustig und unterhaltsam. Phillip und Alex treffe ich immer wieder an den selben Stellen. Wir haben ähnliche Ziele. Einfach schauen was geht. Es wäre schön es bis zur Nachtrunde zu schaffen. 100 km wären der Traum. Es gibt halt doch auch normale Menschen bei so einem Lauf. Wobei, das liegt ja auch im Auge des Betrachters bzw hängt das von der Perspektive ab. Auf jeden Fall geht es immernoch wesentlich verrückter als man es sich vorstellen kann.

Nach Runde 7 gehe ich kalt duschen (naja, zumindest bis zur Körpermitte). Eine Wohltat bei dieser Hitzeschlacht. Außerdem wechsel ich erneut das Schuhwerk. Die fett gepolsterten Hokas sind jetzt gut für die Füße. Wobei meine Beine bisher echt noch relativ fit sind. Ich bin überrascht wie gut es läuft. Das Format scheint mir zu liegen. Ich glaube mitlerweile fest daran, dass ich die 100 km heute schaffen kann.

Jetzt gehe ich auf zwei langsame Runden. Komischerweise wird mir nicht langweilig. Ich habe kein Bedürfnis meinen MP3 Player mit auf die Strecke zu nehmen. Spannend finde ich es die andern Läufer zu analysieren. Was haben sie für Taktiken? Einige laufen jede Runde gleich, andere machen es wie ich und variieren. Noch sind alle im Rennen. Eine weitere Runde später höre ich die Schwedin lauthals singen. Zuerst habe ich mich etwas erschrocken. Ich dachte es wäre etwas passiert. Sie zieht konstant ihre Runden und mausert sich später unter den Läufern zur Geheimfavoritin. Nach 10 Runden steigen 3 Läufer aus. Die Hitze zollt ihren Tribut. Runde 12. Ich will nochmal eine schnelle Runde einstreuen um nochmal in den Genuss der Dusche zu kommen. Jonathan bekommt das mit und zieht mich. Er ist ein junger aber sehr erfahrener Ultraläufer. Nach dieser Runde müssen weitere 4 Läufer die Segel streichen. 11 Läufer sind noch im Rennen. Mein Minimalziel ist erreicht. Ich wollte nicht als erster Teilnehmer Aussteigen. Jetzt noch eine Waldrunde zum genießen und dann geht es auf den Asphalt.

Die Runde ist ein anderes Kaliber. Möglichst trist und eintönig soll sie sein. Schließlich soll das ganze hier eine mentale Herausforderung sein. Die Psyche wird genauso gefordert wie der Körper. Das habe ich im Vorfeld schon erfahren. Und genau so ist es. Aus dem Stadion raus und gerade aus bis zu einem Wendepunkt. Dann wieder zurück zum Stadion und links weg. Einen großen Kreis laufen und wieder zurück zum Stadion. Einmal komplett rum und wieder rein. Die einzigen Lichtblicke sind die Sprüche an den Straßenlaternen und die zahlreichen Glühwürmchen, denen man unterwegs begegnet. Auch im Stadion hat die Crew von Michael Aufmunterungen aufgestellt.

Ich habe seit der vorigen Runde leichte Kreislaufprobleme und das Essen und trinken fällt mir schwer. Andreas, der spätere Gewinner sagt, das wäre kein Problem. In der Nacht wird es kühler und nach 24 Stunden sehe ich dann weiter. Ne, is klar! Ich will aussteigen. Vielleicht wäre noch eine oder zwei Runden drin. Aber jetzt fängt auch mein Knie an zu schmerzen. Mir fehlen die Ziele um mich noch zu motivieren. Nach der nächsten Runde sind es 100 km. Mehr als ich jemals an einem Tag gelaufen bin. Ich entschließe mich die 15.Runde so zu absolvieren, dass ich es gerade im Zeitlimit schaffe. Ich höre auf. Die Entscheidung steht. Oder doch nicht? Doch! Es macht keinen Sinn. 20 Runden, 150km, 24 Stunden. Alles Ziele die in unendlicher Ferne liegen. 120km ist zu unsexy. 100km ist super. Damit bin ich fein. Also go for it! Phillip hat den selben Plan. Er hat keine GPS Uhr mehr und will sich einfach vor mir aufhalten um sicher zu gehen, es zu schaffen. Nach knapp 15 Stunden um kurz vor 23 Uhr laufe ich also über meine persönliche Finishline. Ich bin im Ziel und muss trotzdem mein erstes DNF erleiden. Wenn sich das immer so gut anfühlt habe ich davor keine Angst mehr. Ich bin glücklich und hoch zufrieden. Michael hängt mir meine Medaille um. Ich drücke ihn und gratuliere ihm zu dieser wirklich tollen Veranstaltung.

Ein unfassbar nettes Team hat hier eine tolle Atmosphäre geschaffen bei der es an nichts gefehlt hat. Ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr! Was auch immer ich mir dann für ein Ziel setze. Vielleicht ist es aber auch manchmal besser sich keine Ziele zu setzen und es einfach auf sich zukommen zu lassen. Ich vermute so hat es auch der Gewinner, Andreas Löffler, getan. Er ist unglaubliche 46 Runden gelaufen. Zusammen mit Harald Menzel sind sie 20 Stunden zu zweit unterwegs gewesen. Harald hat nach über 100 km die Rundenbestzeit von 28 Minuten auf die Strecke gelegt. Ihr seid doch alle verrückt! 😉

Ergebnisliste_BBU_2019

Share Button

Mach dein Laufrevier bunt again!

Und zwar damit. Ich habe es getan. Nebenbei tut man was gutes für die Insekten. Ich weiß es ist ein Kampf gegen Windräder aber wir können so unsere Umwelt ein kleines Stück schöner machen. Bei jedem Lauf etwas Wildblumensaat ausstreuen. Am Rand von Fahrradwegen, Wiesen und Co. Und dann freut man sich wenn man die ersten Ergebnisse sieht. Ich finds toll!

Ne, wat scheeee!!! Meine Laufsaat trägt erste Früchte. Die Wildbienen freuen sich. Und mein Laufrevier wird bunter. Toll!

Share Button

HEIDEwitzka! Was ein Spielplatz!

Neues Lieblings-Lauf-Revier. Die Wahner Heide. Ein bisschen Afrika bei uns um die Ecke. Herrlich! Perfektes Wüstenlauf-Trainingsgebiet. Mit Sandtrails und viel Natur. Fehlt nur noch das nächste Wüstenabenteuer… Irgendwann. Ich bin mir sicher.

Träumen von der Ferne und austoben im Sand inklusive!

Share Button

Reste-Runs

Erster Lauf nach 6 Wochen sportlich untertauchen bin. Puh! Das war ganz schön ernüchternd. Fitness Zustand desolat. Meine Polar hat mir einen neuen Running Index Tiefststand bescheinigt. Zumindest habe ich mich in der Zeit schnittmäßig mit Laufen beschäftigt. Bin endlich ma dazu gekommen den Namibia Film weiter zu schneiden. Wird Zeit sich neue Ziele zu setzen.

Familienausflug zur Tartanbahn. Intervalle gekloppt. Hechel!

Schöner Herbstlauf. I love the woods!

Mein erster Tartanbahn-Besuch seit der Schulzeit. Hat was da mal richtig Gas zu geben. Ersetzt aber keinesfalls das Laufen in der Natur.

Share Button

TRACES ON DUNES – The Namib desert race

Da ist das Ding! Die 103 minütige Doku über mein Laufabenteuer des Lebens!

250 km Etappenlauf in Namibia in der ältesten Wüste der Welt und den höchsten Sanddünen der Erde in Eigenverpflegung.

Das Rennen von 4 deserts racing the planet Sahara Race 2017 mit dem Little Desert Runners Club und vielen anderen tollen Menschen.

Share Button

Coming soon! TRACES ON DUNES – The Namib desert race

Es war das Abenteuer meines Lebens und ich habe es verfilmt. Natürlich dreht sich die 103 minütige Doku nicht nur um mich. Es geht um Freude und Schmerz. Ich habe verschiedene Läufer aus dem Little Desert Run bei dem 250 Kilometer Etappenlauf durch die Namib Wüste (4 deserts / racing the planet) begleitet. Am Sonntag den 7.4.2019 werde ich den Film auf youtube veröffentlichen. Abonniere doch gerne meinen Kanal http://www.youtube.nobs-blog.de dann verpasst du auch nichts 😉 Bis dahin kannst du dir den Trailer anschauen. Hier ist er!

Share Button

Rodgau 50 – 2019

Ich machet kurz. Habs ja schon mal erlebt im Zuge meiner Vorbereitung zum Sahara Race 2017.

Der legendäre Rodgau 50 ist dieses Jahr 20 geworden und ich bin dabei sowie 850 weitere Starter. Deshalb gibt es diesmal auch ein besonderes Präsent vor dem Start. Ein Rucksack für die extra langen Läufe. Und im Ziel warten zum ersten Mal Medaillen.

Die Extramotivation!

Also, um 10 Uhr geht es bei Eiseskälte auf die noch etwas rutschige 5 Kilometer Runde. 10 mal will ich hier über diese Start und Ziellinie fliegen. Von Fliegen kann allerdings maximal 6 Mal gesprochen werden, dann geht es über in Laufen, dann Joggen, dann Quälen. Die letzten beiden Runden breche ich ziemlich ein.

Bis Runde 6 ging mein Plan perfekt auf.

Langsam starten (5:30er Pace) dann Runde für Runde steigern. Ab Runde 6 will ich die 4:50 – 5er Pace halten. Das gelingt mir aber leider nicht. Dazu bin ich einfach nicht fit genug. OK ich könnte es auch auf den rauen Wind schieben. Das wäre aber lächerlich. Die 40km/h Böhen klauen mir maximal 2 Sekunden pro Kilometer. Am Rest bin ich schon selber Schuld. Aber ich bin dennoch zufrieden, weil ich für meine Tagesform wirklich das Beste raushole. Mehr ist nicht drin.

Ich bin platt als ich nach 4:29 das Ziel erreiche.

So platt, dass ich erstmal komplett vergesse mir meine Medaille abzuholen. Zum Glück machen mich Mitläufer darauf aufmerksam nachdem ich von meiner Umwelt wieder etwas mitbekomme.

Kurz noch ausruhen, was trinken, essen, umziehen und mit Motsch zurück zum Auto wackeln. 800 Meter, die sich echt weit anfühlen. Wie kann man nur so bescheuert sein und freiwillig 50 Kilometer im Kreis laufen und dafür noch Geld bezahlen? Es ist mein 6ter Ultramarathon und während mir wie schon des Öfteren diese Frage durch den Kopf schießt ist mir die Antwort eigentlich schon klar. Es gibt sie nicht. Diese eine Erklärung. Mal ist es das Gefühl seine Grenzen zu spüren und diese zu überwinden. Sich selbst kennenzulernen. Mentale Stärke zu erlangen. Mal ist es die Faszination am Rennen selbst. Auf einem Ultra kann alles passieren. Ich kann über mich hinauswachsen, ich kann völlig einbrechen. Wie reagiere ich mental auf diese Situationen. All das ist spannend und nichts kann das so gut wie ein Ultramarathon. Manchmal ist es aber auch schlicht der Drang das zu erreichen was man sich als Ziel gesetzt hat. Und Ziele sind wichtig um nicht in Stillstand zu verfallen. Genauso wie die Neugier. Die kann auf verschiedene Weise gestillt werden. Ich bin jedenfalls neugierig was ich noch alles laufend entdecken kann. Da draußen in der Welt und da drinnen in mir.

Laufen ist leben. Sehr langes Laufen ist leben mit allen Facetten.

Der Rodgau 50 hat wieder riesen Spaß gemacht und ich blicke zurück auf eine top organisierte Veranstaltung mit vielen Gleichgesinnten. Die halbe Ultra Szene ist hier versammelt und ich durfte einige Bekannte treffen. Ein toller Tag im schönen Hessenland. Und zum Abschluss darf ich noch einen wunderschönen Familienabend mit Papa und meinen Schwestern in einem Restaurant in meiner Ex-Heimat Alzenau verbringen.

Ich komme wieder. Ganz bestimmt.

Share Button

tiggedi test – topo ultrafly 2

Einen schönen 1.Advent wünsche ich euch!

Nach dem Tiggedi Test vom MT-2 habe ich mir den gleichen Schuh für längere Distanzen mit etwas mehr Dämpfung gewünscht. Ist der Ultrafly mein wahrgewordener Traum? Ich habe ihn ausgiebig ausprobiert. Eins vorneweg: Ich werde ihn definitiv weiterhin laufen…

Viel Spaß beim neuen Tiggedi Test!

Ich bekomme für dieses Video übrigens kein Honorar vom Hersteller.

Share Button

nobs podbuch – episode 10

Download: nobs – podbuch – episode 10

Shownotes:

Tina Dico – On The Run

Orthopäde – Dr. med Frank Schmähling

Hoka One One – Speed Instinct

Rheinhöhenlauf

Köln Marathon

7G Marathon

Share Button

neuer testschuh – topo – ultrafly 2

Ich bin etwas lauffaul geworden in den letzten Wochen. Da kommt es mir gerade Recht, dass ich dieses Prachtstück per Post erhalten habe. Das steigert die Motivation enorm. Den MT-2 von Topo Athletic durfte ich ja schon testen. Nach wie vor ein von mir sehr gern gewählter Schuh nicht zuletzt wegen der großen Zehenbox. Das hat auch der Ultrafly 2, soviel kann ich schon mal verraten. Bin schon gespannt wie er sich sonst so schlägt. Jetzt schnell die Erkältung auskurieren und dann geht’s wieder los… Freu!!!

Share Button

Kölnmarathon – editlounge Staffel

Ich könnte mich aufregen über diese Staffelläufer! Entweder läuft man einen Marathon oder nicht. Wenn man an der Startlinie eines solchen Events steht sollte man wenigstens den halben machen. Der Rest soll bitte zu den Kurzstrecken! Man quält sich über die volle Distanz und dann wird man nach 20, 30 oder gar 35 km von einem leichtfüßigen Sprinter einfach stehen gelassen. Das kann doch nicht sein! Aha, ist nur ein Staffelläufer kann man gerade noch auf der Startnummer erspähen. Glück gehabt. Trotzdem demotivierend. Sollen die doch wo anders laufen.

Das hier ist für richtige Läufer nicht für Jogger!

So oder so ähnlich schossen die Gedanken bisher durch den Kopf, wenn ich bei einem Marathon geLAUFEN bin.

Doch diesmal beim Kölnmarathon 2018 bin ich selbst als „Jogger“ oder sollte ich besser sagen Kurzstreckler an den Start gegangen und zwar mit dem Team editlounge. Frank, nobs, Felix und Ingo. In dieser Reihenfolge wollten wir den Asphalt unter uns glühen lassen. Ist uns besser gelungen als vorher angenommen. Keiner von uns hat auf dieses Event hin trainiert und trotzdem haben wir eine mehr als passable Leistung vollbracht.

Wir wurden mit einer Zeit von 3:15:01. 42ter in der Staffelwertung.

Es sind immerhin 980 Teams angetreten. Top 5%! Was will man mehr. Ich glaube ich setze mich nicht in die Nesseln wenn ich behaupte wir waren die Nummer 1 unter den Fernsehproduktionsfirmen. Da kann uns definitiv keiner ein Schnittchen reichen.

Auch wenn es mir bei jedem Überholmanöver etwas unangenehm war eine solche Startnummer zu tragen und relativ leichtfüßig an den Langstrecklern vorbei zu laufen, hat es doch auch auf eine Art Spaß gemacht. Wann hat man schonmal die Gelegenheit schneller zu sein als nahzu das komplette Umfeld. Auch der Teamgedanke war mal etwas anderes. Und so kann ich mir durchaus vorstellen das zu wiederholen.

Ich werde auch zukünftig versuchen die bösen Gedanken zu unterdrücken wenn ich mal wieder von einem Staffeljogger überholt werde. Er will ja schließlich auch nur seinen Spaß. Und wenn es glücklich macht, hat es seinen Zweck erfüllt. In diesem Sinne wünsche ich weiterhin viel Spaß an der Bewegung!

Share Button

Run 50 again / Rheinhöhenlauf

Ich bin Wiederholungstäter. Und womit? Mit Recht!

Der Run 50 ist ein besonderer Lauf.

Ich denke das sehen alle 188 Starter genau so wie ich. Das liegt nicht nur an der freundlichen familiären Atmosphäre mit tollen Begegnungen sondern auch schlicht an der Tatsache, dass es nicht ein Lauf ist sondern drei. Am Freitag stehen 14, am Samstag 21 und am Sonntag 15 Kilometer an. Allesamt durch die wunderbare Natur zwischen Siebengebirge und Westerwald. Es geht hoch und runter. 1000 Höhenmeter durch den Wald. Dieses Jahr fällt der Lauf mitten in meine Vorbereitung zum Platinmann. Doch dieser wird leider abgesagt. So mache ich also den Run50 zu meinem Hauptlauf. Doch eigentlich ist die Vorbereitung dafür zu kurz. Der Plan: Ich versuche das Beste rauszuholen. Denke nicht, dass ich an mein für mich tolles Ergebnis aus dem Vorjahr rankomme. Ich bin damals mit 3:51:54 auf Platz 6 gelandet.

Am 21.9. stehe ich, ohne genau zu wissen wo ich fitnessmäßig stehe, an der Startlinie. Ich will es trotzdem riskieren mit der Pace aus dem Vorjahr die erste Etappe zu laufen. Einige bekannte Gesichter vom Vorjahr habe ich schon gesichtet. Unter anderem den Sieger und zwei meiner direkten Mitstreiter aus 2017.

In der schönen Altstadt von Linz am Rhein verpasse ich den Start.

Meine GPS Uhr ist noch nicht soweit. Hier habe ich also die 31 Sekunden verloren, die mir am Ende für etwas ganz Besonderes gefehlt haben 😉

Oder doch an der Treppe, die es am Stadtausgang hochgeht. Hier muss ich kurz anhalten um meine Kompressionssocken hoch zu ziehen. Vorher vergessen. Was ist nur los? Kann nur besser werden. Aber es läuft gut, ich bin in der Spitzengruppe dabei. Habe bis einschließlich Platz 1 alle im Blick. Das macht Spaß auch wenn ich nah an meinem Limit laufe. Lange Zeit bin ich relativ einsam auf Platz 4 unterwegs. Die ersten 3 haben sich etwas abgesetzt. Ich kann aber gegen Ende wieder etwas aufholen, jedenfalls auf Platz 3. Doch dann kommt ein junger großer Läufer an mir vorbei geflogen. Was geht denn jetzt? Er scheint sich die Strecke wirklich gut eingeteilt zu haben. Scheinbar ist er einfach stärker als ich. Ich muss ihn ohne große Gegenwehr ziehen lassen. Er ist einfach zu schnell. So komme ich sehr glücklich als Fünfter ins Ziel und das sogar über eine Minute schneller als im Vorjahr, noch dazu mit geringerem Durchschnittspuls. Ich sollte also auf der langen Etappe angreifen, beschließe ich auf der Heimfahrt. Wenn ich hier was reißen will, dann muss ich beim Halbmarathon alles geben. Das Treppchen war noch nie so nah wie hier und jetzt. Zu Hause angekommen versuche ich bestmöglich zu regenerieren und ich freue mich jetzt schon riesig auf die nächste Etappe. Anders als im Vorjahr, als man den Halbmarathon (Rheinhöhenlauf) noch einzeln buchen konnte, ist es diesmal ein 5 Runden Kurs. Noch ahne ich nicht, dass mir das an diesem Samstag sehr entgegen kommen wird.

22.9.2018, ich spüre meine Beine vom Vortag. Aber ich gehe davon aus, das wird den anderen ähnlich ergehen. Nicht daran denken und Zeit gut machen.

Ich will auf’s Treppchen!

Ich bin fokussiert und versuche zu taktieren. Doch das fällt schwer, wenn man so nah am Limit laufen muss. Ich hänge mich an den viert platzierten vom Vortag und hoffe gegen Ende noch mal angreifen zu können. In der fünften und letzten Runde fasse ich mir ein Herz und hau alles raus.

In den 4 Runden vorher konnte ich feststellen an welchen Punkten der Strecke meine Stärken und die Schwächen der vor mir Laufenden liegen. Es sind die Downhills, wo ich Zeit gut mache, also will ich genau da noch mehr auf die Tube drücken. Das gelingt mir gut. Den direkt vor mir liegenden überhole ich direkt am Anfang der Runde an der Verpflegungsstation. Dann der erste Downhill. Ich bin dran an Platz 3.

Am zweiten Downhill kann ich vorbei gehen. Das lasse ich mir nicht mehr nehmen. Kurzzeitig bin ich sogar auf Position 2. Diese Platzierung muss ich allerdings kurz darauf wieder aufgeben. Ich reiße eine Lücke zwischen mir und Platz 4. Er scheint das Tempo nicht mitgehen zu können. Der Plan ist aufgegangen. Ich laufe das erste Mal in meinem Leben als Dritter über die Ziellinie. Was für ein Gefühl! Hammer!

In der Gesamtwertung liege ich jetzt auf Platz 4.

Es sind 35 Sekunden zu Platz 3. Nach hinten habe ich 28 Sekunden Puffer. Zwischen Platz 3 und einschließlich 6 liegen nur 80 Sekunden. Da ist noch nichts entschieden. Die letzte Etappe wird ein Kampf um Platz 3. Platz 1 und 2 scheinen vergeben.

Sonntag, 23.9.2018, es ist ein nasser kühler Herbstmorgen. Doch pünktlich zum Start hört es auf zu regnen. Ich bin etwas nervös und meine Beine miauen. Muskelkater! Egal. Nur noch 15 Kilometer und noch habe ich die Chance auf mein erstes Treppchen. Es geht los. Die ersten sechs inklusive mir geben richtig Gas. Wir rennen los wie junge Wildpferde. Es fällt mir schwer das Tempo mit zu gehen. Platz 1 (Andreas Mertesacker), 2 (Andre Weber) und 6 (Christian Diederich) drücken dermaßen auf die Tube, dass ich sie ziehen lasse. Insgeheim hoffe ich, dass sich Christian übernimmt. Sollte er das durchhalten hat er das Treppchen verdient. Dann hat er sich die 3 Tage wohl einfach besser eingeteilt. Ich laufe Seite an Seite mit Platz 3 (Michal Zajac) in der Gesamtwertung. Michal, Platz 5 (Peter Budek) und Christian gilt es zu schlagen. Christian übernimmt jetzt sogar die Führung. Er hat sich wohl einiges vorgenommen. Ich behalte das alles glücklicherweise im Blick. Noch sehe ich es gelassen.

Am Ende kackt die Ente!

Wir versuchen soweit dran zu bleiben, dass der Abstand nicht zu groß wird. Doch wir sind dann doch knapp 1 Minute dahinter. Damit wäre für uns beide (bisher Platz 3 und 4) das Treppchen weg. Peter läuft jetzt auch an unsrer Seite. Er war bis Kilometer 6 auch leicht vor uns. Es ist eine Mischung aus Verfolgergruppe und Dreikampf. Man merkt es geht für jeden von uns um Platz 3. Ab der Hälfte der Strecke geht es hauptsächlich bergab. Das sollte eigentlich meine Stärke sein, doch hier noch 35 Sekunden rauszuholen ist fast unmöglich, wenn man leistungsmäßig so nah beieinander liegt. Ich versuche mich zweimal von den beiden abzusetzen, schaffe es aber nicht. Also spreche ich kurz mit Michal und wir beschließen den Abstand zu Christian zusammen zu verkürzen, da wir unsere Gesamtplatzierungen (3 und 4) ansonsten verlieren würden. Christian ist mittlerweile auf Platz 3 zurückgefallen. Wir kommen näher. Das motiviert und wir bleiben konstant auf Vollgas. Peter will sich jetzt von uns absetzen, er kann tatsächlich noch eine kleine Schippe drauflegen. Glaubt er tatsächlich noch ans Treppchen? Mein Abstand zu ihm war vor dem Lauf 28 Sekunden. Michal hat sogar 59 Sekunden Vorsprung auf ihn. Das sollten wir beide verteidigen können. So ist es auch. Wir sind in Linz angekommen und haben auf Christian fast aufgeschlossen. Ich laufe als vierter über die Ziellinie und kann so auch als gesamt Vierter (Altersklassengewinner M35) den Run50 abschließen.

Was für ein Lauf! Es war ein Kampf um die Platzierungen bis zum Schluss. Einfach geil!

Sorry, aber das musste jetzt mal raus. Ich bin mehr als zufrieden auch wenn ich mit meiner Gesamtzeit von 3:47:02 knapp das Treppchen verpasst habe. Mir haben am Ende 31 Sekunden gefehlt.

Fast 6 Minuten vor mir gewinnt wie in den beiden Jahren vorher Andreas Mertesacker. Herzlichen Glückwunsch! Ebenso gratuliere ich Andre und Michal zum Treppchen.

Ihr habt es verient. Aber nächstes Jahr greife ich wieder an. Soviel steht fest. Verabredet haben wir uns ja schon. Es war ein sensationelles Rennen. Gratulation auch an alle diesjährigen Run50 Finisher und vielen Dank an alle Helfer und Organisatoren.

Ihr seid der Hammer! Ich freue mich jetzt schon wieder auf nächstes Jahr…

Share Button

nobs podbuch – episode 9

Download: nobs – podbuch – episode 9

Shownotes:

Chima – Ausflug ins Blaue

Hoka One One

Share Button

tiggedi test – odlo bl top zeroweight

Ich bekomme für dieses Video übrigens kein Honorar vom Hersteller.

Share Button

nobs podbuch – episode 8

Download: nobs – podbuch – episode 8

Shownotes:

Tim Vandol – The Hardway

Hoka One One

Share Button

tiggedi test – topo athletic – mt-2

Diesmal hat’s geklappt! Nachdem ich bei meiner ersten Produktion dieses Tiggedi Tests leider alle Daten versehentlich gelöscht habe. Naja, so konnte ich noch ein paar Erfahrungen mehr mit dem Schuh sammeln. Auf sämtlichen Untergründen und Distanzen getestet. Hier das Ergebnis…

Ich bekomme für dieses Video übrigens kein Honorar vom Hersteller.

Share Button

MTUT – Maintal Ultratrail

Samstag, der 14.7.2018, um 7 Uhr Ortszeit stehe ich tatsächlich an der Startlinie einer deutschen Meisterschaft im Ultratrail. 64,5 km mit 1740 Höhenmetern stehen mir bevor. Ich fühle mich gut, bin komischerweise kaum aufgeregt. Ich spüre einfach nur Vorfreude. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich echt gut vorbereitet fühle. Nach meinem Home2Home mit 204 km in 3 Tagen als Grundlage habe ich noch einige Longruns auf der Platinman Strecke (30 – 37km mit 850 HM) in direkter Vorbereitung absolviert. Also alles entspannt und es herrscht eine lockere Atmosphäre.

Vom Chef Organisator gibt es ein kurzes Briefing und der Präsident des DUV hält auch noch eine kurze Ansprache. Viele hochkarätige Anwärter auf den Meistertitel stehen mit mir im gleichen Startbereich. Moritz auf der Heide, Janosch Kowalczyk (Ultratrail WM 10ter), Alexander Dautel (aktueller 100km Deutscher Meister), Frank Merrbach (aktueller 50km Deutscher Meister) um nur einige zu nennen. In der weiblichen Konkurrenz sieht es nicht anders aus. Und dann ist es soweit. Über 300 verrückte Ultraläufer stürmen die Trails bei Veitshöchheim.

Nach den ersten 2 km schweift mein Blick von Läufer zu Läufer und ich überlege wer von denen wohl in etwa in meinem Tempo laufen wird und ob sich daraus wohl kleine Grüppchen bilden könnten. Kurz darauf, als sich das Feld etwas auseinanderzieht, passiert genau das. Es hat sich eine kleine 3er Gruppe gebildet. Wir laufen Ferse an Ferse. Das ist Racing! Das macht Launa. Bei den Downhills habe ich immer wieder das Gefühl etwas schneller zu können. Da die Durchschnittspace aber leicht schneller ist, als das was ich mir vorgenommen habe entscheide ich mich dazu keinen Angriff zu wagen und in der Gruppe zu bleiben. Ich lasse in den flachen Passagen die Lücke immer etwas größer werden um in den Downhills diese wieder zu schließen. Dann zieht einer der beiden doch noch etwas an. Wir lassen ihn ziehen. Das ist gut so. Ich bin sowieso etwas zu schnell. Den anderen der beiden lasse ich beim nächsten Downhill dann doch hinter mir. Erst mal wieder Solokämpfer. Ich schließe aber kurz darauf auf einen weiteren Läufer auf. Ein Grund mein Tempo neu zu überdenken. Ich versuche die Pace etwas runter zu schrauben. 5:45 min/km sollte reichen. An der Verpflegungsstation brauche ich etwas. Ich verliere ein paar Plätze. Das geht mir übrigens an jeder Station so. Aber die Zeit will ich mir auch gönnen. So treffe ich immer wieder die gleichen Mitstreiter. An den Stationen überholen sie mich und auf der Strecke sammel ich sie wieder ein. Eine Art Mini-Lauf-Ziehharmonika.

Bei Kilometer 28 habe ich mein erstes Tief. Ich bekomme Knieschmerzen im linken Bein.

Doch ich habe dazu gelernt. Ich bleibe erstaunlich ruhig. Wechsel vom Laufschritt kurz in’s Gehen. Atme ein paar mal bewusst tief durch und versuche mich zu fokusieren und positive Gedanken durch meinen Kopf zu jagen. Ich laufe wieder los. Der Schmerz bleibt vorerst. Ich entschließe mich an einer Bank in den Weinbergen eine kurze Pause einzulegen und mich um mein Knie zu kümmern. Es ist nicht das Gelenk, es ist eine Überlastung der Sehne, vermutlich durch die schnellen Downhills. Ich stütze es mit einem Druckverband. Gedanken schießen durch den Kopf. Es sind noch 36 km. Das kann ich so niemals schaffen. Doch diese Gedanken schiebe ich erst mal beiseite. Wenn es nicht sein soll, soll es nicht sein. Ich wundere mich über mich selbst wie gelassen ich heute bin. Der Home2Home und der Namibia Wüstenultra tragen wohl langsam Früchte. In dieser Hinsicht habe ich mich tatsächlich geändert. Vorbeilaufende fragen mich ob ich Hilfe benötige. Kein einziger läuft einfach an mir vorbei. Das ist Trail. Jeder für jeden. Einfach toll! Ich gehe langsam weiter. Wechsel nach ca. 1 km wieder in den Laufschritt. Ich habe das Gefühl es geht wieder deutlich besser. Ich bleibe vorsichtig. Die bergab Passagen gehe ich jetzt anders an. Langsamer, und ich versuche mit dem anderen Bein zu entlasten. Das kostet Zeit aber schont doch merklich das ledierte Knie. Ein paar Kilometer später geht es los mit den ersten Krämpfen. Nicht schlimm. Immer nur leicht. Aber so, dass man stets damit rechnen muss, dass ein richtiger Krampf durchkommt. Ich lenke wieder die Gedanken auf das Positive. Heute habe ich null Probleme mit meinem Magen, wie bei anderen langen Läufen zuvor. Diese Strecke, sie ist einfach wunderschön. Ich darf bei den Deutschen Meisterschaften mitlaufen. Das alles ist so wundervoll! Ich kann zwar meine angepeilte Pace von 6:00 min/km nicht mehr halten aber die Zuversicht steigt, dass ich das hier zu Ende bringen kann. Die Knieschmerzen sind deutlich weniger geworden. Meine Energie allerdings auch. Ich werde zunehmend langsamer. Die letzten 15 Kilometer wechsel ich zwischen Laufen und Gehen. Das liegt aber auch an den schon wirklich fordernden Anstiegen mit teilweise 50% Steigung.

Nach 7 Stunden und 41 Minuten erreiche ich mit einem Lächeln im Gesicht die Ziellinie. Es ist Platz 119 geworden. 15ter in meiner Altersklasse.

Vanessa und Ronny, zwei sehr gute Freunde, nehmen mich in Empfang. Ronny ist den T30 (die 30 km Distanz) gelaufen. Ich schmeiße mich auf den Boden. Dort liege ich die nächsten 2 Stunden. Jetzt kommen sie doch noch die richtigen Krämpfe. Salztabletten habe ich eigentlich genug genommen. Ich schmeiße trotzdem noch welche nach. Als ich mich endlich aufraffe und mich auf eine Bierbank setze wird es mir ganz anders. Der Kreislauf spielt verrückt. Mir wird schlecht. Die aufmerksamen Johanniter haben das scheinbar bemerkt und holen mich ab. Ich soll mit ins Zelt kommen. Sie wollen meinen Blutdruck, den Blutzucker und den Sauerstoffgehalt im Blut messen. Ich fühle mich gut aufgehoben und bin dankbar es mir auf einer gemütlichen Liege bequem machen zu dürfen. Ronny und Vanessa sind ununterbrochen an meiner Seite und versorgen mich mit Getränken. Ihr seid toll!

Als es mir dann wieder besser geht, gönne ich mir eine Bratwurst und ruhe mich noch etwas aus. Was für ein Tag! 4:30 Uhr auf die Autobahn gut 7,5 Stunden laufen. 3,5 Stunden rumgammeln und um 18:30 Uhr wieder zurück auf die Autobahn. Schlafen, Laufen, Essen/Trinken, Schlafen. Was will man mehr?

Dem Veranstalter muss ich ein großes Lob aussprechen. Man merkt, dass beim Maintal Ultratrail viel Herzblut steckt. Super Streckenführung über größtenteils Singletrails mit tollen Ausblicken auf das Maintal. Üppige Verpflegungsstationen und eine durchweg freundliche Atmosphäre. Empfehlenswert.

Die Tage danach kann ich mich kaum bewegen und die Fehler, die ich bei diesem Lauf gemacht habe, werden mir immer bewusster. Ich bin es mal wieder etwas zu schnell angegangen. Wobei das wahrscheinlich nicht mal viel zu schnell war. Das Hauptproblem waren die Downhills, die ich einfach runtergebrettert bin. Das zerstört die Muskeln und geht auf die Gelenke. Das hat sich in der Mitte des Rennens schon gerächt. Daraus resultierten vermutlich auch die Krämpfe. Da bedingt das eine das andere. Man lernt einfach bei jedem Rennen dazu. Das nächste mal gehe ich wieder ein Stück rutinierter an den Start und begehe vielleicht einen Fehler weniger. Übrigens, etwa eine Stunde nach mir kam der älteste Teilnehmer ins Ziel. Er ist 79 Jahre alt. Hut ab! Sicherlich eine Ausnahme, aber dennoch gibt es mir Mut diesen Sport noch ein paar Jährchen ausüben zu können.

Bleibt mir noch den neuen deutschen Meistern im Ultratrail zu gratulieren:

Herzlichen Glückwunsch

Pia Winkelblech

und

Moritz Auf der Heide

Share Button

Fly Forest Fly

Share Button