Halbmarathon Bonn 2016

Samstag Nachmittag und ich hole mir meine Startunterlagen an der Bonner Marathonmesse.

14 Stunden später. Es ist 6:38Uhr am Sonntag Morgen, den 10.04.2016. Und ich werde nicht von meinem Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen. Nein, es ist meine Tochter, die normalerweise gut und gerne eine Stunde länger schläft. Mit einer Mischung aus Krächzen, Hauchen und Flüstern stelle ich ihr die Frage, was los sei? Sie sei so aufgeregt, weil sie heute ganz alleine Croissants kaufen geht. Ich will noch einmal meine Augen zu machen, doch 2 Minuten später klingelt mein Wecker.

Ach ja, da war ja was. Heute ist Renntag!

Also raus aus der Kiste und ab in die Sportklamotten. Brustwarzen abkleben. Achilles Sehne tapen (nur zur Sicherheit). Heißes Ingwer Wasser und ein Müsli reinpfeifen. Die Tasche hab ich schon am Abend gepackt. Schuhe an und da steht auch schon mein Nachbar vor der Tür, der mich freundlicher Weise mit nimmt. Er startet übrigens für eine Laufgruppe, die er nach unserem Baugebiet benannt hat. Das ist eine gute Idee. Denn alleine in unserer kleinen Sackgasse schnüren 8 mehr oder weniger ambitionierte Sportler ihre Laufschuhe.

Ich starte heute allerdings für die Mediengruppe RTL. Vielen Dank Britta und Christian für die tolle Organisation. Ohne Britta hätte ich dieses Jahr gar nicht am Bonner Halbmarathon teilgenommen, da ich ja 4 Wochen vorher schon für den Frankfurter Halbmarathon angemeldet war. Darauf war eigentlich mein Training ausgerichtet. Dann kam aber eine Achilles Sehnen Entzündung dazwischen und ich musste absagen. Zum Glück also hatte ich noch den Bonner Lauf in Peto. Schließlich wollte ich dieses Jahr meine Halbmarathon Bestzeit verbessern.

Christian kutschiert uns zielsicher zu einem nahegelegenen kostenfreien Parkplatz und so kommen wir überpünktlich zum Treffpunkt mit den anderen RTLern. Warum habe ich letztes Jahr eigentlich außerhalb geparkt und bin gut und gerne 2,5 Kilometer bis zum Start gegangen? Scheinbar traut sich an so einem Tag keiner bis in die Innenstadt zu fahren. Wann bekommt man sonst so einfach einen kostenfreien Pakplatz? Der Treffpunkt ist ein Hotel quasi direkt an der Startlinie. Perfekt! Jetzt in Ruhe umziehen, ein Gruppenfoto schießen und dann noch ein wenig aufwärmen. Die Taschen können wir an der Rezeption abgeben. Besser gehts nicht.

Startaufstellung, Adrenalin, Startschuss.

Es geht los. Jedenfalls ein bisschen. Ich bleibe im Verkehr stecken und spüre einen leichten Druck unten rum. Dabei war ich doch vor dem Start schon 3 mal auf Toilette. Was ist das nur immer?! Sooooo viel habe ich jetzt auch nicht getrunken. Also, nachdem ich staubedingt 40 Sekunden zu lang für Kilometer 1 gebraucht habe verliere ich beim Pinkeln bei Kilometer 2,5 weitere 40 Sekunden. Dafür läuft es nicht nur dabei, sondern auch danach richtig gut. Ich halte mich nicht an meinen Plan, den ich mir am Vortag bereit gelegt habe, da ich versuche die verlorene Zeit so schnell wie möglich wieder aufzuholen. Ich ändere also die Taktik und versuche das restliche Rennen in einer etwas höheren Pace zu laufen. Das gelingt auch erstaunlich gut. Scheinbar hat mich das Achilles Sehnen Problem weniger zurück geworfen als gedacht. Oder es ist wirklich Kopfsache. Ich habe ja jetzt eine Art Coach, der mir durch seine Erfahrung viel hilft. Danke Rafael! Ich musste während des Rennens oft an deine Worte denken.

„Es sind nicht die Beine, es ist dein Kopf.“

Und so laufe und laufe ich an begeisterten Zuschauern, Bands und kleinen Kindern vorbei, die einen Handschlag wollen. Das macht Laune! Bei Kilometer 15 habe ich ein kleines Tief und ich muss mir immer wieder sagen: „Bleib dran! Halte die Pace!“ Und es funktioniert. Gegen Ende wird es wieder leichter. Es geht in die Innenstadt und es werden wieder mehr Zuschauer und die Stimmung nimmt zu. Einen richtigen Schub bekomme ich noch mal, als ich an meiner Familie vorbei laufe. Ich höre meine Töchter rufen. „Schneller, schneller!“ Was für ein tolles Gefühl! Jetzt nur nicht mehr pinkeln müssen. Der letzte Kilometer. Es geht über Tropfsteinpflaster Richtung Ziellinie. Getragen von den jubelnden Zuschauern bin ich mir nun sicher, es wird für die neue persönliche Bestzeit reichen. Vor der Ziellinie will ich trotzdem noch so viele Konkurenten überholen wie möglich. Schließlich bin ich ja nicht nur zum Spaß hier. Aber genau das ist es, was mir noch mal so richtig Freude bereitet. Auf den letzten hundert Metern leiste ich mir einen packenden Zielsprint. Noch 5 Meter und ich kann meinen Widersacher knapp abschütteln.

Was für ein Finish!

So, und wo ist jetzt hier genau noch mal das Sauerstoffzelt? Maximalpuls 202. Ups! Mal eben um 12 Punkte nach oben geschraubt. Es war also nicht der Körper sondern doch nur der Kopf.

Vor Adrenalin fast die Medaille vergessen.

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Nach 3 Cola, 1 Wasser, 2 Frikadellen, 1 Snickers, 1 Quarkbällchen, 1 Wurstbrot, 1 Banane, 1 Stück Laugenstange drückt mir der Magen und wir ziehen uns im Hotel gemütlich um. Treffpunkt mit Familie ist am Foodfestival am Münsterplatz. Genau das richtige jetzt. Nicht! Meine Tochter erzählt mir noch stolz wie sie heute morgen ganz alleine Croisants kaufen war und wir verbringen eine gemütliche Stunde bei bestem Wetter mit Livemusik in geselliger Runde. Schön wars!

doc

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