ISRU – Iranian Silk Road Ultramarathon 2016 – Part 1

IMG_4429

Ich sitze auf einer durchaus bequemen Matratze und schwelge in Erinnerungen an die letzten Tage. Plötzlich höre ich ein lautes Männerstöhnen. Es kommt aus meinem Hotelbadezimmer, definitiv. Die nachdenkliche Stimmung ist dahin und wechselt schlagartig in eine komische Atmosphäre. Das muss Carlos sein. Ein italienischer Arzt, der sich mit mir ein Doppelzimmer in einem 5 Sterne Hotel in Kerman (Iran) teilt. Aha, da kommt er auch schon, nur mit einem Handtuch bedeckt, auf mich zu. „This was the best shower i’ve ever had!“ waren seine Worte.

Etwa 3 Wochen vorher beginnt die Reise. Zumindest im Kopf. Wird alles gut gehen? Man hört ja so viel aus dieser Region und speziell aus dem Iran und den angrenzenden Ländern. Einige haben mir davon abgeraten. Andere widerum nicht. Ich habe mir lange darüber Gedanken gemacht, viel über das Land gelesen. Ich alleine musste entscheiden ob ich dieses Abenteuer eingehe. Das Interesse an einer solchen Veranstaltung und an diesem Ort, der Meschen und der Kultur und auch die Chancen, die sich mir dadurch bieten, überwiegen. Ich muss es einfach tuen. Ich fliege also mit. Iran, Dasht El Lut, die heißeste Wüste der Erde wartet auf mich. Ich darf Rafael Fuchsgruber, Deutschlands erfolgreichsten Wüstenläufer, bei einem seiner Rennen begleiten. Nicht als Läufer sondern als Kameramann. Der endgültige Entschluss es zu tun war erst einige Tage vor Abreise getroffen. Gerade noch rechtzeitig um ein Visum zu bekommen. In den kommenden Tagen hatte unser Postbote etwas mehr zu tun. Ich bestellte alles mögliche im Netz um gut ausgerüstet zu sein. Von Mütze und Leinenhemd und Hose über Kompass, First Aid Kit und Travel Besteck über faltbare Reisetasse, Kabelbinder, Salz Tabletten bis zu aufblasbarem Kissen. Meine Frau hatte nicht mehr viel von mir. Ich war mit den Gedanken nur noch in der Wüste. Dass diese mich noch mehr einnehmen würde war an diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen.

Und dann kommt der Tag, an dem ich mich mit Tränen in den Augen von meiner Familie verabschiede. Im Hinterkopf schwebt, auch wenn ich es nicht zulassen will und es eigentlich auch völliger Schwachsinn ist, der Gedanke „Hoffentlich nicht für immer“.

20160428_155752

Es ist Donnerstag, der 28.04., ich treffe Rafael am Bahnhof Siegburg. Wir kennen uns, haben uns das ein oder andere mal getroffen, waren auch schon gemeinsam Laufen. Wir sind uns gegenseitig sympathisch. Jedenfalls gilt das für meine Seite aus und ich glaube auch wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Schon auf der Reise in das für uns noch unbekannte Land haben wir viel Spaß. Er fängt an mich humorvoll Schatz zu nennen. Geht das ganze vielleicht doch etwas zu weit? 😉 Wir übernachten in Teheran zusammen in einem Hotelzimmer. Worauf habe ich mich da nur eingelassen? Aber wir bleiben anständig, schließlich stehen wir beide auf Frauen und haben nur 3,5 Stunden Ruhe, wenn wir vor Weiterreise noch frühstücken wollen.
Dann ab ins Taxi, zum Flughafen und los nach Kerman. Eine 630.000 Einwohner Stadt im Süd-Osten Irans. Sie liegt in den Bergen und ist von den Temperaturen relativ angenehm. Um die 30 Grad. Hier befindet sich unser Hotel, in dem sich alle Rennteilnehmer und Organisatoren des ISRU (Iranian Silk Road Ultramarathon) treffen werden.

IMG_4180 (2)

Am nächsten Tag schauen wir uns den alten Basar der Stadt an, machen schon ein paar Aufnahmen und besuchen eine historische Therme und ein historisches Cafe.

IMG_4203 (2)

Schon jetzt wird uns klar, wie offenherzig und gastfreundlich die Menschen hier sind. Sie zeigen Interesse an uns und helfen, wo es geht. Am Nachmittag lernen wir Frode, einer der Teilnehmer aus Norwegen, kennen. Ich bekomme einen Zimmerbewohner, nachdem ich die erste Nacht mein Zimmer für mich alleine hatte. Carlo ist ein wirklich sehr netter, freundlicher graubärtiger Herr aus Italien. Er ist Fotograf und Arzt. Ach ja, und er schnarcht. Aber da ich für gewöhnlich einen guten Schlaf habe soll mich das nicht stören. Die Nacht ist trotzdem nicht gut. Nicht wegen dem Schnarchen, sondern einfach weil ich tierisch aufgeregt bin. Das sei normal, wenn es in die Wüste geht, sagt der feine Herr Fuchsgruber.

 

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: