ISRU – Iranian Silk Road Ultramarathon – Part 4

Die erste Nacht im Zelt in der Wüste liegt nun hinter mir. Mein Wecker war überflüssig. Bin natürlich vorher aufgewacht. Hatte sowieso einen ziemlich leichten Schlaf. Zwar gehen hier die Temperaturen nachts runter auf um die 25 Grad, aber der Boden auf dem wir liegen heizt sich tagsüber dermaßen auf, dass sich auf den Isomatten so eine richtige Schweißfütze bildet. Ziemlich unangenehm. Ich teile mein Zelt übrigens mit 3 Italienern: Carlo, Massimo und Benini. Ersteren kenne ich ja bereits aus dem Hotelzimmer.

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Er ist nachts lauter als am Tag.

Massimo, er ist der Chef von Extreme Races Organization und sägt auch gerne Bäume.

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Benini ist ein Fotograph, der bereits für etliche Läufe im Einsatz war.

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Alle sehr freundlich. Ich komme gut mit ihnen klar auch wenn ich kein Wort italienisch verstehe. Kommunikation ist eben wirklich mehr als nur Sprache.

Ich wache also auf mit Blick aufs Dolphin Valley (Siehe Foto Part 3). Herrlich! Leider kann ich das nicht lange genießen. Ich muss meine Sachen packen, kurz Zähne putzen und dann gehts schon wieder ab in den Jeep. Schließlich muss ich vor den Läufern in Position sein. 5:15 Uhr Abfahrt. Einige Läufer haben auf Grund der großen Hitze einen früheren Start gefordert. Ich fahre mit den Teilnehmern der Lite Version zu Checkpoint 1. Dort haben wir noch ein paar Minuten. Ich kann kurz mit Rafael ein paar Bilder drehen und dann gehts los. Die zweite Etappe. Ich freue mich auf den Tag. Ich verbringe einige Zeit an dem Checkpoint und bekomme so auch die Athleten der Long Version vor die Linse. Ich spüre, das wird bildtechnisch heute ein besserer Tag. Leider gibt es keinen Jeep, der mich mitnehmen kann. Alle voll oder anderweitig im Einsatz. Langsam wird mir mulmig. Nicht dass es das heute schon mit Race Footage für mich war! Dann kommt Paolo, der Renndirektor. Er fragt mich, ob es OK wäre, wenn ich bei einem Mitarbeiter auf dem Motorrad mitfahre. Ich hasse es Beifahrer auf einem Motorrad zu sein. Und dann noch in der Wüste mit Schlaglöchern, Hügeln und rumpelnden, rutschigen Untergründen. Doch das überspiele ich und sage ganz trocken: „No Problem, of course.“ Also, den Rucksack auf den Rücken, die Kameras über die Schuter gehängt und ab ins nächste Abenteuer. Er wird schon vorsichtig fahren. Denkste! Wir rasen durch die Wüste. Zwischenzeitlich verliere ich den Sitz unter meinem Gesäß lande dann aber wieder unsanft. Zum Glück nicht hinter dem Crossbike. Manchmal heben auch die Reifen ab, zumindest fühlt es sich so an. Doch entgegen meiner Erwartungen fängt es an mir Spaß zu machen. Man darf einfach nicht so viel nachdenken. Die Landschaft ist noch viel beeindruckender als am Vortag. Zumindest das was ich so wahrnehmen kann. Wir kommen schließlich an einen Salz Fluß. Oder ist es eine Fata Morgana? Syreal, mitten in der Wüste ein Fluß. Tatsächlich!

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Er schneidet sich seinen Weg durch die gelb-rötliche hügelige Landschaft. Es ist ein wunderbarer Anblick, den man mit Bildern nicht wirklich festhalten kann. Immer wieder überholen wir Läufer und dann auch den feinen Herrn Fuchsgruber. Ich bringe meinen Fahrer dazu anzuhalten um ein zwei schöne Aufnahmen von meinem Protagonisten zu machen. Das gelingt. Super! Weiter gehts… Als ich am Checkpoint ankomme, werde ich herzlich empfangen. Jedoch möchte ich dort nicht warten, bis die Läufer eintreffen. Ich möchte die Zeit nutzen um diese fantastische Umgebung aufzusaugen. Ich bewaffne mich also mit 2 Flaschen Wasser, meinem Rucksack mit Notfallutensilien und meinen Kameras und gehe runter zum Fluß.

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Das Flußbett ist weiß wie Schnee bzw. Eis. Es ist eine Salzkruste und wie ich feststellen muss ist diese zwar hart, jedoch bricht man ein, wenn man darüber geht und steht knöcheltief im Schlamm. Das Salz saugt die Feuchtigkeit aus der Luft und speichert sie im Boden. Es ist also schwer bis zum Wasser zu kommen. Ich schieße ein paar Fotos und mache ein paar Kameraschwenks. Doch jetzt wird es Zeit wieder Richtung Laufstrecke zu gehen, nicht dass ich die ersten Läufer verpasse. Ich wandere die Strecke in die entgegengestzte Richtung den Läufern entgegen und da kommt mir auch schon Rafael tanzend entgegen. Scheinbar hat er mich noch nicht bemerkt. Schnell die Kamera zücken und draufhalten. Er entdeckt mich erst kurz bevor er mich über den Haufen läuft. Kamera wieder auf die Schulter und ihm hinter her. Ich schaffe es nicht dran zu bleiben. Am Checkpoint habe ich ihn dann aber wieder. Er führt auch in dieser Etappe mit großem Abstand in der Lite Version. Ich entscheide mich mich nicht mehr so weit vom Checkpoint zu entfernen, auch wegen der großen Hitze. Wir haben heute bereits knapp 50 Grad. Ich kann heute wesentlich schönere Aufnahmen von den Läufern machen. Das beruhigt mich. Das kann ja doch noch was werden. Diesmal bekomme ich die Möglichkeit bis zum Camp mit dem Jeep eines anderen Kamerateams mitzufahren. Als ich dort eintreffe sind noch nicht viele Läufer da. Rafael aber schläft bereits.

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Es ist ein wunderbarer Ort um die Nacht zu verbringen. Ich fühle mich etwas an den Grand Canyon erinnert. Um uns herum Felsen. Schön.

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Nach und nach treffen die erschöpften Läufer ein. Einige völlig ausgelaugt. Carlo und der Local Arzt haben viel zu tun um Kreislauf und Füße der Athleten wieder in Schuß zu bekommen. Am späten Nachmittag kommt ein Sandsturm auf inklusive Regen. Was ist das denn? Dachte Wasser von oben gibt es in der Wüste nicht.

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Der Sturm ist so heftig, dass man die Zelte festhalten muss. Selten so einen Sturm erlebt. Das ganze geht recht schnell wieder zu Ende. Etwa nach 20 Minuten hat es sich wieder beruhigt. Ich denke, etwas Gutes hat das ganze, es kühlt mit Sicherheit ab. Das tut es auch, aber nicht so, wie erwartet. Auch nach dem Unwetter bleibt es unglaublich heiß. Ich drehe mit Rafael noch ein paar Szenen. Dann wird er von dem anderen Kamerateam noch interviewt. Ich kümmere mich um die Sicherung meiner Daten und darum, dass meine Akkus wieder geladen werden.

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Um ca. 20:30 Uhr legen sich die meisten Läufer schlafen. Ich warte aber mit meinen Zeltkollegen auf das Abendessen, das für uns die Iraner kochen. Wir müssen uns nicht wie die Rennteilnehmer selbst versorgen. Das letzte Dinner war der Hammer! Echt lecker. An manchen Abenden wäre aber wohl eine Selbstverpflegung die bessere Alternative gewesen. Am heutigen Abend fällt das Essen nämlich aus. Warum? Keine Ahnung. Bis ich das erfahre ist es aber bereits 22:30Uhr. Die Zeit bis dahin habe ich damit verbracht Musik zu hören an meine Familie zu denken und dabei den unfassbar grandiosen Sternenhimmel zu bewundern. Zum Glück habe ich ein paar Müsliriegel und Nüsse dabei. Ach ja, und Dariush, einer der iranischen Helfer und Fotograf, hat mir ein paar Wörter auf Farsi beigebracht.

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Sehr zur Freude seiner Kollegen. Ab heute werde ich damit immer wieder ein Lachen ernten. Und so geht ein perfekter Tag zu Ende. Tolle Aufnahmen, stille Momente zum genießen und viel Freude mit unglaublich netten Menschen.

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