ISRU – Iranian Silk Road Ultramarathon – Part 5

Hätte ich gewusst, was mich heute erwartet, hätte ich mich wohl früher auf den heißen Boden zum schlafen legen sollen. Es geht wieder früh raus. Diesmal lässt mir Paolo die Wahl. Entweder ich fahre zu Checkpoint 1 steig, nachdem die Läufer diesen passiert haben, in den Jeep und fahre ins Camp, oder ich fahre zu Checkpoint 1, drehe dort die Athleten und durchquere dann zu Fuß den Salz Fluß und warte an Checkpoint 3 auf die Läufer. Dann muss ich allerdings zu Fuß die 10 km zu Checkpoint 4 gehen. Erst dort kann ich wieder in einen Wagen steigen. Die Entscheidung ist schnell getroffen. Schließlich will ich möglichst viele gute Aufnahmen machen und die Wüste will ich auch erkunden. Irgendwie reizt es mich auch selbst mal durch diese unglaubliche Hitze und einsame Weite zu laufen. Nachdem also die Läufer der Lite Version den nicht wirklich tiefen Fluß durchquert haben und wir alle mit nassen salzigen Füßen das andere Ufer erreicht haben lasse ich erst mal meine Füße trocknen. Ich weiß nicht, ob ich jemals irgendwas so schnell trocknen sehen habe. Die Socken sind jetzt steinhart und die Füße sind mit weißen Salzrändern verziert. Irgendwie unangenehm so wieder in die Schuhe zu schlüpfen. Aber was muss muss. Schließlich will ich mir eine gute Position ergattern, von wo ich die Läufer perfekt in Szene setzen kann. Ich gehe also einige Hundert Meter. Und da tut sich vor mir eine Felsformation auf. Ich klettere auf einen kleinen Hügel von wo ich einen atemberaubenden Blick habe. Auf der einen Seite der Fluß auf der anderen ein schneeweißes Feld umrandet von Bergen. Durch dieses Tal kommen die Läufer gerannt, einige gehen. Bei der Hitze nicht anders zu machen. Selbst Mohamad Ahansal, der spätere Gewinner und einer der weltbesten Wüstenläufer wird später erzählen, dass auch er immer mal wieder auch Gehpausen einlegen musste. Genau dieser Mohamad ist es auch, den ich verpasse. Er läuft auf der anderen Seite des Hügels vorbei. Damit habe ich nicht gerechnet. Vor allem aber habe ich ihn nicht so früh erwartet. Aber ansonsten gelingen mir gute Aufnahmen. Ich gehe zurück zum Checkpoint. Man bin ich durstig! Jetzt würde ich gerne weiter. Vielleicht kann ich dann zu einem späteren Zeitpunkt noch Läufer einholen und komme so noch zu weiterem Filmmaterial aus dem Rennen. Doch die beiden Streckenposten hindern mich. Sie meinen es wäre zu gefährlich, wir sollten gemeinsam gehen und sie müssten noch ein bisschen warten bis alle Läufer den Checkpoint passiert haben. Also setze ich mich, ziehe die Schuhe nochmal aus und trinke und trinke. Wir haben hier keinen Schatten, die Sonne brennt vom Himmel und die Luft auf der Haut. Wieder ca. 50 Grad. Wahrscheinlich sogar etwas mehr. Wahnsinn! Dann gehts los! Zu dritt durch die Wüste. Zwei Iraner und nobs. Die beiden helfen mir mit meinem Equipment, sie lehren mich weiter in farsi, ich sie in deutsch. Wir haben viel Spaß! Nach 3-4 km wird einem bereits so richtig bewusst was die Läufer hier leisten. Wir treffen weitere Volunteers, die versuchen mit dem Motorrad den Fluß zu queren. Nach einigen Anläufen gelingt das auch. Später werden wir erfahren, dass es einem der Jeep Fahrer anders erging. Er hat sein Gefährt leider versenkt.

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Was daraus geworden ist weiß ich gar nicht. Fahrtüchtig war der gelbe Bulide aber sicherlich nicht mehr. Dann treffen wir noch Mahsa, die iranische Läuferin, mit Ali und Stephanie. Wir gehen ein Stück zusammen und kommen gemeinsam bei Checkpoint 4 an. Endlich wieder Schatten, auch wenn das kaum einen Unterschied macht. Nur irgendwie fehlt einer, Dariush. Ich denke mir nichts dabei. Vielleicht ist er aufs Motorrad aufgestiegen oder wurde irgendwie anders eingesammelt. Wird schon seine Richtigkeit haben. Wir verbringen eine Stunde hier, dann taucht er plötzlich auf. Er ist völlig am Ende, leicht dehydriert und von Kreislaufproblemen geplagt. Er hat uns einfach aus den Augen verloren und ist weiter gelaufen, als wir abgebogen sind. Wie kann das sein? Er war doch direkt bei uns. Ich mache mir Vorwürfe. Aber jeder hat nur noch auf den Boden geschaut und die Hitze trägt auch nicht dazu bei, dass man konzentriert durch die Gegend läuft. Dariush braucht eine Weile bis es ihm wieder besser geht. Dann werden wir abgeholt. Auf der Fahrt begegnen wir immer wieder Läufern, die wir mit Wasser versorgen müssen. Die Luft flimmert am Horizont.

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Bei einigen denke ich mir, sie können es nicht schaffen. Sie gehen an der Grenze was ihr Körper ertragen kann. An einer wundervollen Felsformation, die uns Schatten spendet, machen wir Rast.

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Warum? Ich weiß es nicht. Aber es ist gut so, denn auch hier kann ich wieder ein paar schöne Bilder drehen.

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Dann geht es weiter und wir werden an der nächsten Flußüberquerung rausgeschmissen. Hier werden Läufer im Zelt behandelt. Doch alle gehen weiter. Auch Reza, mein Begleiter, den ich ins Herz geschlossen habe, ist zusammen gebrochen. Er wird ins Krankenhaus gebracht. Wir bekommen Mittagessen. Typisch iranisch: Chicken Nuggets mit Pommes. 😉 Darüber habe ich mich auch noch nie so gefreut wie heute. Ich hatte wie in Part 4 beschrieben kein Abendessen und das Frühstück ist auch ausgefallen. Dann gehts mit einem anderen Jeep ins Camp bzw. eine Caravanserai. Die meisten Läufer sind schon da und lassen sich behandeln oder relaxen im Zelt. Nach und nach treffen die restlichen Athleten ein. Es haben auch diesmal alle geschafft. Für mich echt bewundernswert. Was für eine Leistung! Ich drehe mit einigen Läufern Interviews während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwindet. Dann bekommen wir hohen Besuch. Landespolitiker erkunden sich, wie es den Läufern ergeht und wie es uns im Iran gefällt. Es ist durchweg eine unheimlich gastfreundliche Atmosphäre. Reza ist zurück aus dem Krankenhaus und wieder bei uns. Ich bin erleichtert. Dann bekomme ich noch die Nachricht, dass der gelbe Jeep in den Fluß gefallen ist. Das war der, der mich bis zur zweiten Flußüberquerung mitgenommen hat. Heute komme ich etwas früher ins Bett. Ich habe einiges zu verarbeiten und zu Essen gabs auch. Gute Nacht!

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