ISRU – Iranian Silk Road Ultramarathon – Part 7

Es ist noch früh am Morgen. Stephanie legt sich nach ihrem 26 Stunden Lauf zu uns ins Zelt. Wenig später stehe ich auf. Es ist Ruhetag. Der soll den Läufern nach der langen Etappe zur Regeneration dienen. Daran ist aber nicht zu denken bei 55 Grad Celsius. Es gibt Uhren, die messen sogar 61 Grad.

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Wie auch immer. Darauf kommt es dann auch nicht mehr an. Die Temperaturen sind so hoch, dass man sich im Fieber Zustand befindet. Die Körpertemperatur steigt an. Ich fühle mich an dem Tag nicht besonders wohl. Der Kreislauf macht mir zu schaffen. Wenn man mit geschlossenen Augen im Schatten liegt denkt man immer wieder warum der Arm jetzt schon wieder in der Sonne liegt. Dann schaut man an sich runter und stellt fest, es ist nicht die Sonne, die auf der Haut brennt, es ist schlicht und ergreifend die heiße Luft. Wasser wird in kürzester Zeit warm, wenn man das Glück hat mal eine kühle Flasche zu ergattern, und dann hat man das Gefühl geschmacklosen Tee zu trinken. Ich sitze bzw liege mit Christoph Harreither, einem österreichischen Läufer unterm Pavillion. Ich bekomme Lachflashs wegen irgendwelchen doofen Sprüchen, die wir kloppen. Irgendwie habe ich das Gefühl drauf zu sein. Worauf auch immer. Ich bin auf Hitze. Mein Hirn macht komische Sachen. An Dreharbeiten ist heute kaum zu denken. Hin und wieder packe ich die Kamera aus um kurze Sequenzen mitzunehmen, aber alles in allem ist es eher ein herumvegitieren. Das klingt jetzt ziemlich langweilig, ist es aber gar nicht. Ich höre Geschichten vom Vortag. Jenny ist während ihres Nachtlaufs ein Skorpion über den Fuß gelaufen. Giovanna berichtet davon, dass in ihrem Zelt ein Skorpion war, den sie rausbefördern mussten. Neben Storys aus dem Rennen werden auch private Dinge geteilt und hin und wieden auch politische Meinungen ausgetauscht. Man hat viele interessante Gespräche und auch viel zu lachen. Wir testen meine Gummibärchen. Von denen ich wegen der Hitze leider nur noch ein großes habe. Es ist zu einer schmierigen Schwabbelmasse zerschmolzen. Rafael meint, das wäre ihm in noch keiner Wüste passiert.

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Die Masse geht rum, von Läufer zu Läufer und Helfer zu Helfer. Wie man sich doch an Kleinigkeiten erfreuen kann! Man denkt so ein Tag zieht sich endlos. Aber dem ist nicht so. Irgendwie vergeht hier in der Wüste die Zeit schneller, obwohl es manchmal auch eine Qual ist. Das kann man wohl nicht bestreiten.

Am späten Nachmittag drehe ich dann noch ein sehr emotionales Interview mit Rafael Fuchsgruber, dann noch eins mit Mohamad Ahansal und eins mit beiden gemeinsam. Bis ein kleiner Sandsturm aufkommt, der die Temperaturen um ein paar wenige Grad sinken lässt. Gut geht es mir immernoch nicht. Am Abend fängt ein iranischer Helfer eine wohl sehr giftige Spinne. Komisch, denke ich. Sie sieht genauso aus, wie die, die wir am Vortag in der Wüste verfolgt haben und versucht haben zu filmen. Sie sei in der Lage Skorpione und Schlangen zu töten. Deshalb muss er sie auch leider platt machen. Er schlägt mit einem Schuh auf sie ein. Solch ein Vieh können wir hier im Camp nicht gebrauchen. Tut uns Leid für das Tier. Aber in so einem Moment geht die Sicherheit der Läufer und der Crew vor. An diesem Ort gibt es wohl häufiger Skorpione, Schlangen und solch ein Getier. Super, dass wir genau hier noch eine Nacht verbringen. Hoffentlich wachen morgen alle gesund auf, für die vorletzte Etappe in der Lut Wüste.

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