ISRU – Iranian Silk Road Ultramarathon – Part 8

Das Prinzip „Hurry Up and wait!“ schlägt wieder zu. Die letzte „richtige“ Etappe über knapp 40 km steht an und ich muss mich beeilen um rechtzeitig auf den Jeep zu springen. Dann gehts Allrad angetrieben durch den Wüstensand. Was für wunderschöne Sanddünen durch die sich die Offroad Reifen fräsen.

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Doch dann fährt sich einer der Geländewagen fest.

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Mit jedem Versuch weiter zu kommen gräbt er sich tiefer ein. Also muss die Seilwinde aktiviert werden. Nach einem Fahrerwechsel bekommen sie das Ungetüm dann heraus. Es kann weiter gehen. An einer besonders schönen Düne wird gerade ein Checkpoint errichtet und ich steige aus. Von hier werde ich bestimmt gute Aufnahmen machen können. Das bestätigt sich später auch. Die Wüstenblume bzw desert flower, wie wir untereinander die hübsche Fotografin nennen hat sich auch hier positioniert. Ich frage sie, ob ich ein Portrait von ihr machen darf.

Hat geklappt. Manch ein Läufer behauptet, wenn er sie sieht und sie ihn anlächelt gibt ihm das mehr Energie als es jeder Riegel oder jedes Gel je vermag. Ich kann bestätigen, dass sie wirklich eine tolle Ausstrahlung hat. Ich schweife ab… Wieder zurück zum Thema. Rafael erscheint als erstes am Horizont. Direkt auf dem Kamm der langen Düne. Das Licht ist fantastisch.

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Er hat ein Lächeln im Gesicht und scheint das hier gerade sehr zu genießen. Ich hoffe ich kann diese Stimmung einfangen. Als dann Tullio und Raffaele direkt vor meiner Linse eine Düne auf allen Vieren hochkraxeln ist der Höhepunt des Tages erreicht.

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Wenn man weiß, dass Tullio blind ist und so ein unglaublich technisch schwieriges und anstrengendes Rennen absolviert, bekommt man bei solchen Anblicken Gänsehaut. Einfach faszinierend! Nachdem ich echt viel im Kasten habe und auch selbst diese Sandwüste in mich aufgesaugt habe geht es weiter. Was jetzt passiert habe ich überhaupt nicht erwartet. Wir fahren schnur stracks auf eine Oase zu. Grüne Palmen, ein kleiner Bach und Schilf. Was ist das denn?!

Ein kurioser und zugleich wunderschöner Anblick. Hier wurde der nächste Checkpoint errichtet und ich darf an diesem Ort weitere wertvolle sogenannte quality time verbringen. Herrlich! Die iranischen Kollegen kochen an einem kleinen Feuer Tee. Meiner Meinung nach hätte man sich das Feuer sparen können. Den Kessel in den Sand stellen, kurz warten und gut wäre es gewesen. Naja, ich habe jedenfalls kein Bedürfnis nach heißem Tee. Die Hitze macht mir über die Mittagszeit wieder etwas zu schaffen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Luftfeuchtigkeit hier in der Oase etwas höher ist. Nachdem einige Läufer sich durch das Schilf gekämpft haben und Rafael längst im Camp sein muss, geht es auch für mich weiter. Wieder ein anderer Jeep, wieder ein anderes Ziel. Diesmal unser letztes Wüstencamp. Das erste mal kommt der Gedanke auf: „Schade dass dieses Abenteuer dem Ende entgegen geht.“ Dicht gefolgt von: „Schön, dass ich bald wieder meine Mädels in die Arme schließen kann.“ Im landschaftlich nicht wirklich spektakulären Camp angekommen, habe ich das erste mal das Problem, dass ich wirklich keine aufgeladenen Akkus mehr habe. Dabei wollte ich heute noch Interviews drehen. Aber es ist ja noch früh am Tag. Ich gehe sofort zu den Verantwortlichen und bitte sie den Generator einzuschalten. Es heißt: „One minute!“ Wie oft habe ich diese beiden Worte im Iran schon gehört. „One minute“ ist ein sehr dehnbarer Begriff. Aber wie dehnbar er wirklich ist erfahre ich erst heute. Geschlagene 5 Stunden später habe ich Strom. Und ich habe durchaus das ein oder andere Mal, den ein oder anderen Verantwortlichen angesprochen. Aber ich muss sie in den Schutz nehmen. Die Volunteers und Organisatoren haben wirklich alle Hände voll zu tun und wirklich einen tollen Job gemacht. Mit den Interviews wird es heute nichts mehr. Das hole ich im Hotel nach. Leider warte ich an diesem Abend scheinbar mal wieder vergebelich auf das Abendessen. Also packe ich meine Salami Würstchen und eine Packung Nüsse aus. Ich hatte wirklich viele Lebensmittel eingepackt. Meine Frau meinte noch, damit könne ich mich komplett selbst versorgen. Jetzt zahlt es sich spätestens aus. OK, einiges muss ich wieder mit zurück nach Deutschland nehmen. Ich setze mich also in den Wüstensand und fange an die Salamis zu genießen. Frode, ein norwegischer Läufer, gesellt sich zu mir. Er nörgelt etwas, weil er schon wieder seinen Haferbrei essen muss, er könne es nicht mehr sehen. Also biete ich ihm selbstverständlich eine Salami an. Jetzt am letzten Abend ist das erlaubt, denke ich mir. Voller Freude beißt er genüsslich rein. Er fragt nach einer weiteren, dann nach noch einer und noch einer letzten. Nach der letzten fragt er, ob er noch eine allerletzte bekommt. Ich gebe ihm gerne ab. Ich kann mir gut vorstellen, dass einem dieses Instant Food irgendwann gehörig auf die Geschmacksnerven schlägt. Als er also fünf von den Würstchen verschlungen hat, erzählt er mir, dass er eigentlich Vegetarier sei. Aber das heute sei eine besondere Situation und er hat die Würste sehr genossen. Mmmh! Kurz darauf kommt die iranische Crew mit einem riesen Kessel, Cola Flaschen und Leuchtstäben um die Ecke. Partytime! Na toll. Eigentlich bin ich jetzt satt. Die bereits im Zelt liegenden Läufer kommen nach und nach angedackelt. Sie bekommen heute seit der Pastaparty am ersten Tag ihr erstes richtiges Dinner. Die Freude ist riesig, auch über die Cola. Nach dem Essen wird jedes Teilnehmerland gefeiert in dem die Vertreter der Länder (Italien, Österreich, Kanada, Iran, Libanon, Marokko, Schottland, Norwegen, Deutschland) ein typisches Lied aus ihrer Heimat singen. Schließlich bin ich an der Reihe. Rafael schläft leider schon und so bin ich der einzige deutsche Vertreter. Und da ich wirklich überhaupt nicht singen kann, mache ich einfach kurz einen Handstand und hoffe, dass das der Partymeute reicht. Imad aus dem Libanon singt dann zur Verwunderung aller noch ein deutsches Kinderlied. Vielen Dank! Du hast mich gerettet. Jetzt wird noch ein bisschen getanzt und dann gehen alle glücklich zu „Bett“. Wir sind echt eine tolle Truppe.

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