ISRU – Iranian Silk Road Ultramarathon- Part 9

Ach, eins hatte ich vergessen. Bevor ich mich am Vorabend auf den heißen Boden legte, meldet sich dann doch mein Darm. Wie ein beleidigtes Kind hatte er sich die komplette Woche geweigert mit mir zu sprechen. Und jetzt so kurz vor Schluss will er dann doch die Chance noch nutzen sich das erste mal in einer Wüste im Freien zu entleeren. Na gut, mit Klopapier bewaffnen, Stirnlampe aufsetzen, etwas vom Lager entfernen und ein kleines Loch buddeln. Und ab dafür! Erst tut es etwas weh, ist dann aber doch sehr befreiend. Nähere Einzelheiten erspare ich dir. Nur soviel noch. Als ich zurück komme muss ich meinen Erfolg natürlich noch mit Rafael teilen. Er ist sehr stolz auf mich. Auch Christoph ist zufrieden und meint: „Jetzt bist du einer von uns!“ Danke, das freut mich.

Am nächsten Morgen ist eine komische Stimmung. Eine Mischung aus Freude und Abschiedsschmerz. Wir müssen der Wüste „good bye“ sagen. Ich beobachte Rafael wie er sich andächtig etwas vom Camp entfernt. Es fällt ihm scheinbar schwer. Ich glaube er liebt die Wüste wirklich. Heute sollen wir alle, die komplette Crew und alle Läufer, gemeinsam die Ziellinie überqueren. Wir laufen also die letzten 3 km in das kleine Dorf Jahar, wo wir schon von den Einwohnern erwartet werden.

Zwischendrin bleiben wir stehen, schießen Fotos und genießen die Atmosphäre.

Jubelnd werden wir dann am Ziel empfangen. Alle haben ein Lächeln im Gesicht und sind mit Sicherheit auch mächtig stolz auf sich. Interviews werden geführt, Fotos geschossen, Autogramme geschrieben und dann gibt es noch ein Mittagessen für alle Teilnehmer und Crewmitglieder. Burger und Cola. Yam Yam!

Und zum Schluss darf natürlich die obligatorische Zigarre beim feinen Herrn Fuchsgruber nicht fehlen. Die haben wir ja schließlich in Kerman auf dem Basar extra besorgt und ich habe die gesamte Tour darauf aufgepasst wie ein Lux. Es sei dir gegönnt lieber Rafael! Er hat die 180 km Variante gewonnen. Mohamad ist der Gewinner der 250 km Variante. Für mich sind alle Läufer Gewinner. Wer sowas durchsteht ist ein Champ. Der Lauf ist vorbei, nur noch die Zeremonie steht bevor. Rafael und ich nehmen uns in den Arm. Ich glaube aus der anfänglichen Sympathie ist eine echte Freundschaft entstanden. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mich gefragt hat, ob ich das mache. Es war jede Sekunde wert. Die Wüste könnte mich verändern sagte er vor dem Abenteuer zu mir. Ob sie das wirklich getan hat, weiß ich noch nicht. Aber sie hat mich definitiv beeindruckt und mir einen Haufen Eindrücke und Erfahrungen geschenkt, die ich mit Sicherheit nicht vergessen werde. Irgendwann komme ich zurück!

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