ISRU – Iranian Silk Road Ultramarathon – Part 10

Im Bus auf dem Weg in unser Hotel wird gesungen und getanzt. Einige schlafen trotz des Lärms. Langsam kommt die Erschöpfung und vor allem die Vorfreude auf eine Dusche und ein richtiges Bett.

Nach etwa 3 Stunden kommen wir an. Ich darf mein Zimmer wieder mit Carlo teilen und lasse ihm den Vortritt ins lang ersehnte Badezimmer. Den Rest vom Zimmeraufenthalt kennst du bereits aus Kapitel 1. Einige machen sich nach dem gemeinsamen Mittagessen auf den Weg in die Stadt um Souvenirs zu kaufen. Ich drehe noch ein Interview mit Mahsa und Stephanie. Die wirklich Interessantes und Emotionales zu berichten haben. Dann ruhe ich mich noch ein wenig aus und telefoniere mit meiner Frau, die leider keine schönen Nachrichten privater Sache für mich hat. Ich verdrücke mir ein paar Tränen, doch viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, wir treffen uns in der Lobby um die Fahrt zu einem Palast anzutreten, in dem die Abschlusszeremonie stattfinden soll. So wirklich Lust habe ich darauf jetzt nicht. Im Aufzug nehme ich ganz spontan Rafael in den Arm. Jetzt aber genug! Lass uns das hier gebührend beenden.

Es ist unfassbar, was uns an diesem wundervollen Ort erwartet. Es ist wirklich ein Palast.

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Für uns wurde ein roter Teppich ausgelegt und ein Torbogen gestellt. Als wir dort durchgehen, entfacht sich links und rechts ein Feuerwerk. Es sind ein Haufen Zuschauer gekommen und das politische who is who der Region Kerman ist auch anwesend. Nach einigen musikalischen Darbietungen und Filmausschnitten wird jeder Läufer einzeln auf die Bühne geholt und geehrt. Schließlich auch ich. Obwohl ich doch gar nichts außergewöhnliches geleistet habe, denke ich mir. Ich habe doch nur meinen Job gemacht und bin keine 250 km durch die Wüste gerannt. Trotzdem bekomme ich den Pokal. OK. Freut mich ja auch. Eine wirklich schöne Erinnerung. Doch ich werde nicht so einfach von der Bühne gelassen. Ich werde von Dariush aufgefordert meine Farsi Kenntnisse zu beweisen. Er: „Heshki heshto shode?“ Ich: „Na, keshki heshto nashode.“ Was so viel heißt wie: „Hast du ein Problem?“ Nein, ich habe kein Problem.“ Hoffentlich, heißt es das auch wirklich. Jedenfalls ist im Publikum das Gelächter groß. Und jetzt werde ich wirklich überrascht. Ich bekomme von einem kleinen Mädchen einen Ehrenpreis überreicht. Er steht für „Help, Happiness and Hope“. Wofür ich den bekomme, weiß ich nicht wirklich aber es rührt mich schon sehr. So sehr, dass ich mir nochmal das Mikrofon schnappe und reinrufe: „Ah Shakadam!“ Wie auch immer man das schreibt. Angeblich heißt es „Ich liebe dich!“ Wieder ist das Gelächter im Publikum groß. Später bekomme ich von Christoph eine Rüge: „Bist du deppert?! Du bist aufgetreten wie ein Popstar. Du kannst doch vor all den Politikern nicht irgendwas, von dem du gar nicht weißt was es heißt, ins Mikrofon rufen! An deiner Stelle würde ich mir Sorgen wegen der Ausreise machen.“ Natürlich war das nur scherzhaft gemeint. Oder? Denke schon. Bei ihm ist das immer schwer einzuschätzen. Sagen mir aber auch viele. Von daher ist mir diese Art von Humor durchaus sympathisch. Dann gibt es noch ein Festmal und als ich dann Richtung Bus gehe ruft mir eine ältere Frau „Ah Shakadam!“ entgegen. Was für ein gelungener Abend. Das war wirklich ein würdiger Abschluss.

Doch die Reise ist noch nicht vorbei. Am Morgen des Abreisetages interviewe ich noch den Renndirektor, Paolo Baghini, und die Media Managerin, Bea, und dann gehts auch schon los zum Flughafen Kerman und von da weiter nach Teheran. Wir fliegen gemeinsam mit Farhat, Mahsa und Ali, die so freundlich sind uns in ihrer Wohnung aufzunehmen. Sie wohnen in der 14 Millionen Metropole und unser Anschlussflug geht erst um 3 Uhr am Morgen. Sie bieten uns Cafe, iranische Leckereien und auch einen Schlafplatz an. Es ist wirklich eine wahnsinnige Gastfreundschaft, die einem hier entgegen schlägt. Mahsa und Ali, ihr wart so gut zu uns. Mamnun (Danke)!

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Wir unterhalten uns gut und dann gehts auf Sightseeing und Shopping Tour. Rafael und ich fahren mit dem Taxi in die Innenstadt. Es ist unglaublich wie viele Menschen hier auf den Straßen sind. Ein Gewusel, wie ich es in Indien erwarten würde. Auf dem riesigen Basar gibt es von Klebeband über Ketchup, Klamotten und riesen Barbies alles was man sich so vorstellt. Natürlich auch Schmuck, Tücher, Gewürze und Lederwaren.

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Ich bin glücklich diese Eindrücke noch mit in die Heimat nehmen zu können. Ein schöner Kontrast zur ruhigen Wüste. Abends werden wir von unseren Gastgebern noch lecker bekocht. Ein typisch iranisches Mal. Hühnchen Fleisch mit Reis und einer dunklen Soße. Echt gut. Dabei ist noch ein sympathischer junger Mann aus Frankreich, Nicolai. Er wohnt schon ein paar Tage in Alis Wohnung. Er ist auf der Durchreise und umquert mit seinem Fahrrad die Erde. Sie beherbergen öfter Menschen, die außergewöhnliche Abenteuer wagen. Ihr Motto: „Friendship has no border“. Irgendwie passt das. Ein schöner Gedanke. Zwei wunderbare Menschen.

Schließlich treten wir die Heimreise an. Die Taxifahrt zieht sich etwas. Probleme an der Gepäckkontrolle haben wir entgegen meiner Befürchtungen nicht. Dachte es könnte eventuell Ärger mit der Kameraausrüstung und den Speicherkarten geben. Aber alles easy. Nur 4 Pack Batterien muss ich zurück lassen. Der anschließende Flug ist entspannt. Ich kann sogar einige Minuten oder sogar 1 – 2 Stündchen schlafen. Dann verpassen wir unseren Zug weil es Probleme mit unserem Gepäck gibt. So verbringen wir noch eine extra Stunde zusätzlich gemeinsam am Flughafen. In Siegburg empfangen uns meine Mädels. Ich bin überglücklich sie wieder zu sehen und sie in meine Arme zu schließen. Was für ein wundervolles Gefühl! Ich bin wieder zu Hause. Und mit im Herzen die Wärme der Wüste und im Gepäck den Sand. Beides werde ich eine Weile mit mir rumtragen.

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