Köln Marathon – Teil 2

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Die Nacht vor dem Köln Marathon war erstaunlich gut. Ich bin nur einmal gegen 4 kurz aufgewacht. Ich bin gedanklich nochmal meine Renntaktik durchgegangen, die ich 2 Tage vorher noch mit Rafael besprochen habe. Jetzt muss in den letzten Stunden vor dem Start sich nur noch der Schnupfen komplett verabschieden. Dann wäre alles perfekt. Ich stehe also gegen 6:20 Uhr auf. Und ja, mein Schnupfen ist tatsächlich fast verschwunden.

Ich bin guter Dinge.

Daran haben auch mein Orthopäde Dr. Frank Schmähling und mein Physio Christian Bils einen großen Anteil. Sie haben mich und meine Hüfte in den letzten Wochen wieder fit gekriegt. Vielen Dank dafür! Ihr seid super!

Duschen, Klamotten an. Tasche ist schon gepackt also ab zum Frühstückstisch. Motsch, mein Laufkollege, der bei mir übernachtet hat ist schon durch mit seinem Frühstück. Ich hau mir 2 mal Müsli und ein Chia Samen Multivitamin Getränk rein und natürlich mein allmorgentliches warmes Ingwer Wasser.

Um 7:40Uhr machen wir uns auf den Weg zur Bahn. Blauer Himmel. Gut zwei Stunden bis zum Start. Die Vorfreude steigt. Ich fühle mich wie ein Pferd im Stall, was rausgelassen werden will. Die Beine bitzeln. In Köln Deutz kommen wir pünktlich zum Halbmarathon Start an. Den schauen wir uns natürlich an und amüsieren uns über den phänomenalen Spruch vom Moderator mit dem er die ca 16.000 Läufer auf die Strecke schickt: „Seid froh, dass ihr keinen Marathon laufen müsst!“

Bevor wir die Drop Bags abgeben, machen wir uns auf den Weg zur editlounge, mein Arbeitsplatz, um dort nochmal in Ruhe zur Toilette zu gehen. Dort esse ich noch eine Banane und dann gehts wieder Richtung Startbereich. Ich liebe diese Atmosphäre kurz vor einem Rennstart. Überall aufgeregte Athleten, Musik, es liegt Spannung in der Luft. Das Wetter immernoch toll. Wir ziehen uns um und ich schieb mir noch einen Energie Riegel rein. Jetzt ziehen Wolken auf und es wird etwas kühl. Jetzt noch ein paar Streching Übungen und dann ab in den Startbereich. Wir stehen relativ weit vorne. Und es läuft „Hells Bells“ von ACDC. Jetzt könnte es aber echt losgehen. Doch um 10Uhr wird erst noch das offizielle Köln Marathon Lied life performt. Also gut, wenns sein muss.

Jetzt werden wir mit einer Konfettikanone und Nieselregen endlich auf die 42,195 Kilometer geschickt! Der 20.Kölnmarathon beginnt!

Von Kilometer eins an bin ich in meiner Pace, genau wie nach Plan. 5:02. Es rollt. Ich bin dann allerdings von Kilometer 5 bis 15 sogar zu schnell. Das gleiche ich aber durch einen Dixie Klo Besuch aus. Die Beine sind noch locker. Das könnte klappen heute mit der 3:30 denke ich. Dann hänge ich mich ein paar Kilometer an den Pacer für 3:30. Allerdings merke ich bei Kilometer 18, dass ich nochmal pinkeln muss. Ich trinke einfach an solchen Tagen immer zu viel. Wann lerne ich das endlich?! Also muss ich einen Vorsprung rauslaufen. Der Pacer meint noch zu mir: „Schwitz es raus!“. Aber mit voller Blase läuft es sich nicht gut. Ich entscheide mich das Tempo etwas an zu ziehen. Das klappt auch echt gut.

Zu dem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass mir das später zum Verhängnis wird.

Ich laufe zum Teil mit einer 4:45er Pace. Gehe an einer Verpflegungsstation erneut pinkeln. Zu meiner Verwunderung stelle ich fest, dass mein Vorsprung so groß war, dass ich nach meinem Toilettengang immernoch vor dem 3:30er Pacer auf der Strecke bin. Alles läuft perfekt! Ich lausche lustigen Gesprächen um mich rum, wie: „Noch 20 Kilometer, dann trinken wir unser erstes Bier.“ „Kölsch ist doch kein Bier!“ „Wir fahren ja auch nach Düsseldorf und trinken Alt.“ „Das ist auch kein Bier!“ „Wenn ihr kein Kölsch mögt, was macht ihr dann in Köln?!“

Jetzt motivieren mich vor allem die Gedanken, dass bei Kilometer 26 meine Frau, meine Kinder und meine Schwiegereltern an der Strecke stehen werden um mich anzufeuern. Die Beine sind immernoch locker und dann stehen sie da. Ich bin 1Min40 vor meinem Plan. Die 3:30 sind also heute wirklich drin. Das rufe ich meinen Liebsten auch zu. Bzw ich nehme sie sogar kurz alle einzeln in den Arm. Soviel Zeit muss sein. Das gibt ja auch Energie, die ich für die restlichen 16 Kilometer gut gebrauchen kann.

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So langsam bekomme ich so einen seltsamen Druck im Magen. Ich habe vermutlich nicht nur zu viel getrunken, sondern auch zu viel gegessen an dem Morgen. Ich muss die nächsten Verpflegungsstationen auslassen. Wenn ich jetzt was trinke, muss ich mich übergeben. Ich kann mir gerade noch mein letztes Gel reinzwingen. So ein Mist! Hoffentlich geht das gut aus. Ab Kilometer 35 werden dann auch die Beine schwer. Ich kann die geplante Pace nicht halten. Verliere jeden Kilometer 10 Sekunden. Zum Glück habe ich einen Vorsprung rausgelaufen. Ich bin jetzt ständig am Rechnen, ob ich es schaffen kann. Dann 3 Kilometer vor dem Ziel überholt mich der 3:30 Pacer. Ich so: „Scheiße!“. Er so „Nix Scheiße! Du bleibst jetzt dran!“ Es rächt sich jetzt der zu schnell gelaufene Mittelteil. Aber ich kann tatsächlich 2 Kilometer dran bleiben. Als der Pacer dann sagt er versucht so um die 1:28:50 reinzukommen um auf Nummer sicher zu gehen, gibt mir das Hoffnung, dass ich die 3:30 schaffen kann. Doch dann ca. 800 Meter vor dem Ziel schießt mir ein Krampf in den rechten Oberschenkel Beuger. „Nicht jetzt! Nicht jetzt“ spreche ich es laut aus. Und blende dabei die Zuschauer aus. Ist mir doch egal was die jetzt denken. Ich bleibe stehen. Der Krampf wird schlimmer. Ich muss weiter. Egal wie. Ich humpel also Richtung Ziel. Der Krampf löst sich wieder etwas. „Ich schaffe es!“ sag ich mir selbst immer wieder. Dann der rote Teppich. Am Ende die Ziellinie.

Noch knapp 100 Meter. Die Uhr tickt über der Ziellinie. 3:29:00 Auf der Tribüne meine Familie, sie jubeln mir zu.

Meine Blicke schwanken zwischen der Familie und der Uhr. Und dann ist es mir klar. Ich schaffe es unter 3:30. Was für ein Gefühl!

Ich reiße die Arme nach oben und renne mit 3:29:16 über die Ziellinie am Kölner Dom.

 

Platz 815 von ca. 6500 Marathonis. 128ter in der Altersklassenwertung.

Völlig erschöpft lasse ich mir die Medaillie um den Hals hängen und quäle mich von Apfelsaft zu Laugenbretzel, von Müsliriegel zur Cola. Echt gute Verpflegung hier. Sowieso alles top organisiert! Ein Kompliment an alle Helfer und das Orga Team. Tolle Veranstaltung! Und natürlich das Publikum was wirklich entlang der gesamten Strecke tolle Stimmung gemacht hat. Und das trotz der grauen und kalten Witterung. Teilweise sogar Nieselregen. Hut ab!

Motsch ist übrigens 6 Minuten vor mir ins Ziel gelaufen. Tolle Leistung! Wir treffen uns bei der Kleiderbeutel Rückgabe. Dann schlendern wir zum Neumarkt. Dort treffe ich meine Family und wir lassen unsere Medaillien gravieren. Dann gibts natürlich noch ein Kölsch und was zu Essen. Schließlich ist hier ein Food Festival und Livemusik. Ein gelungener Abschluss von einem perfekten Lauftag.

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2 thoughts on “Köln Marathon – Teil 2

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