Sahara Race Namibia 2017 – Teil 1

149412990120170506_Namibia_Stage6_Small-160

„Tragen Sie die Fußmaske mit kreisenden Bewegungen auf Ihre Füße auf und lassen Sie diese 10-15 Minuten einwirken.“

steht auf der Verpackung eines dermatologisch getesteten Produktes. Gelesen – getan! Auf was für einen Schwachsinn man sich doch einlässt nach solchen Strapazen. „Intensive Sofortpflege“ wird mir versprochen. Na da bin ich ja mal gespannt…

Ich liege also mit jeder Menge Schokolade in Griffweite auf der Couch und denke an eine unfassbare Zeit zurück. Alles beginnt an einem Dienstag. Am 25.April muss ich mich mal wieder verabschieden. Meinen Kindern und meiner Frau „Tschüss!“ zu sagen mag ich nicht besonders. Meistens sehe ich sie danach eine Weile nicht und das macht mich traurig. Zum Abschied haben sie mir ein tolles Armband gebastelt mit den Worten „Go Papa“. 18156359_10213097329971552_4663606814809757061_oIrgendwie weiß ich schon jetzt, dass mich das an der ein oder anderen Stelle retten wird. Und genauso wird es kommen. Auch von meiner Schwester habe ich einen kleinen Talisman bekommen. Einen Löwen. Er ist ein Symbol für Kraft und Kampfgeist in der afrikanischen Kultur und er gilt als Wächter und Beschützer in der asiatischen Kultur. Na dann kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.

Wir liegen uns in den Armen und machen unser Abschiedsritual: „Du und ich für immer zusammen!“ Dabei führen wir eine Art Choreographie durch. Der Kleinen ist nicht bewusst, dass wir uns jetzt 13 Tage lang nicht sehen. Mir schon. Und 13 Tage können manchmal wie eine halbe Ewigkeit sein. Jetzt aber genug. Ich muss zum Bahnsteig. Rafael ist auch schon da und Martina treffen wir dann im Zug. Es geht Richtung Frankfurt. Wir haben einen Nachtflug direkt nach Windhoek in Namibia.

Auf gehts zum Sahara Race 2017!

Zum ersten Mal in meinem Leben nehme ich eine Schlaftablette. Schließlich will ich in ein paar Tagen fit an den Start des Rennens meines Lebens gehen. Dumm nur, dass die Sitze in Flugzeugen so unglaublich unbequem sind. Ich schaffe es immerhin ca 2 Stunden zu schlafen.

18157100_1309853369096444_3808485830399757874_n

Mittlerweile haben wir 6 Uhr morgens und wir haben unterwegs Doerte aufge- sammelt. Ein weiteres Mitglied des Little Desert Runners Club. Nach 10 Stunden Flug fühle ich mich ziemlich ausgelaugt. Wir holen unseren Leihwagen und fahren Richtung Heimat von Florentine, eine Bekannte von Rafael. Wir wollen sie besuchen bevor wir in Windhoek ein Radiointerview haben. Bei Doerte geht es mit dem Flieger weiter nach Walvis Bay. Plötzlich schrei ich auf. „Da! Affen!“ Vor uns rennen einfach Affen über die Straße. Verrückt! Dass das hier nichts besonderes ist wird mir später dann auch klar, als man das nur noch mit einem müden Lächeln zur Kenntnis nimmt. Florentine wohnt wunderschön. In einem tollen Haus mit Pool und Ausblick ins wilde Afrika.

Wir machen einen Spaziergang und sehen unten in der Savanne Zebras und viele andere wilde Tiere. Leider haben wir keine Zeit die 2 km bis dorthin noch zu gehen. Das Interview steht an.

IMG_5369

Nachdem wir das hinter uns haben, nehmen wir Kurs auf Swakopmund. Jedoch haben wir vorerst ein anderes Ziel. Die Okapuka Lodge. Hier wollen wir eine Privat-Safari machen und eine Nacht verbringen. Schließlich wollen wir nicht nur durch Afrika reisen, sondern auch Afrika erleben. Und dafür ist das der perfekte Ort. Es ist unglaublich idyllisch hier. Mit der Natur im Einklang. Nie zuvor habe ich mich so gefühlt. Kleine Bungalows mitten in der Wildnis. Die Zimmer urig afrikanisch mit Blick in die Savanne. Ab und zu läuft ein wildes Tier vorbei. Wunderschön!

Martina, Rafael und ich fahren gegen Nachmittag mit einem Guide durch den Nationalpark um Tiere zu beobachten und zu fotografieren.

IMG_8489

Krokodile, Springböcke, Warzenschweine, Sträuße, Giraffen, Coyoten,… und das Highlight zwei Nashörner direkt vor uns. Wir steigen wagemutig aus und sind 2-3 Meter von ihnen entfernt. Man muss die Kolosse stets im Blick behalten. Wir müssen immer wieder schnell zurück ins Auto springen. Nicht zum Nachmachen empfohlen, aber wir wollen diese Fotos.

Genug Nervenkitzel! Auf dem Rückweg zur Lodge genießen wir einen herrlichen Sonnenuntergang.

IMG_8563

Bei all diesen Erlebnissen vergisst man total für was man eigentlich hier ist.

Es fühlt sich eher wie ein Abenteuerurlaub an. Aber immer wieder blitzen die Gedanken auf. In ein paar Tagen stehe ich an der Startlinie eines 250km Etappenrennens. Und mein Knie ist immernoch nicht zu 100% fit. Das macht mir etwas Sorge. Vielleicht ist die Ablenkung gar nicht so schlecht.

Die Nacht in der Lodge ist gut. Ich bin zu müde um mir zu viele Gedanken zu machen. Nachdem ich am Morgen noch ein paar Filmaufnahmen mache und mich selbst interviewe genieße ich ein ausgiebiges Frühstück.

Jetzt noch ein paar Fotos für die Sponsoren und dann immer geradeaus (Vorsicht! Linksverkehr) nach Swakopmund. Zwischenzeitlich sind es 33 Grad und unsere Klimaanlage funktioniert leider nicht. Unser Humor dafür um so besser. Wir haben viel zu lachen und so vergeht die Zeit recht schnell. Durch die Hitze im Auto können wir uns besser den klimatischen Verhältnissen anpassen. Ja ne, is klar! Immer das Positive sehen. Als wir dann im Hotel ankommen frieren wir allerdings etwas. Küstennebel ist aufgezogen und in den letzten 20km ist die Temperatur um 15 Grad gesunken. Dafür ist Swakopmund bekannt. Hier kann man an einem Tag 4 Jahreszeiten erleben. Was soll das hier mit einem Wüstenrennen zu tun haben, fragen wir uns. Das haben wir uns definitiv anders vorgestellt. Jacke an, einchecken und dann erst mal die Lage peilen.

IMG_8670

Durch den Urlaubsort schlendern, ein paar Beautyshots von der Stadt machen, nach Souvenirs schauen und in einem wunderschönen Cafe den afrikanischen Flair aufsaugen. Im Village Cafe ist der nämlich wirklich vorhanden. Alles schön bund und überdurchschnittlich nette und fröhliche Bedienungen.

Ansonsten wirkt Swakopmund eher wie ein gewöhnlicher Touristenort, der auch auf Gran Canaria oder irgendwo in Spanien sein könnte. Am Abend gehen alle bisher eingetroffenen Little Desert Runners und Nicola, ein italienischer Starter, zusammen zum Inder. Echt lecker!

IMG_8693

Freitag, der 28.April.

Heute kommen die restlichen Starter des Rennens an.

Unter anderem auch Antje, über die ich einen Film für das deutsche Fernsehen drehe. Das ist eine zusätzliche Belastung für mich. Ich bin gespannt, wie ich das meistern kann. Doch bevor ich die Ankunft drehe besuche ich noch mein Spendenprojekt im Township vor Swakopmund. Dafür holen mich zwei Mädels ab. Anna und Franca sind toll. Sie zeigen mir die Schule und erklären mir die Abläufe und was noch so alles geplant ist. Tangeni-Shilongo-Namibia e.V. ist ein Verein aus Köln, der dort eine Schule aufgebaut hat um den Kindern aus der Gegend eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Ich werde hier so herzlich empfangen und mir springen gleich ein dutzend Kinder entgegen.

Nachdem ich ein paar Haribos verteilt habe, spiele ich noch ein wenig mit ihnen. So viele lachende Kinderaugen. Es ist einfach rührend und ich bin so glücklich das hier machen zu dürfen. Schließlich überreiche ich noch symbolisch die Spendensumme von 1600 Euro. Rafael ist dabei und erhöht spontan auf 1700. Und das Beste, man kann noch weiter spenden.

Die Kids hier haben das echt verdient. Sie wollen lernen, sie wollen hier raus und für sich und ihre Familien eine bessere Zukunft. Ich finde es beeindruckend was sie trotz dieser Umstände hier für einer Lebensfreude besitzen. Wir können uns so viel von diesen Kindern abschauen. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut wenn ich an diesen Tag zurück denke.

Für mich ein unvergessliches Erlebnis.

Doch jetzt wieder an die Arbeit. Der Shuttle kommt gleich an. Kameras parat und ab dafür.

DSC00608

Ich drehe die Ankunft, ein kurzes Interview und Tips von Rafael an Antje im Hotelzimmer. Dann lass ich Antje erst mal ankommen und ein bisschen ausruhen. Auch ich habe diese Pause dringend nötig. Zum ersten mal habe ich für 2 Stunden das Gefühl nicht unter Spannung zu stehen und ich lege mich an den Pool in den Liegestuhl. Durchatmen. Doch ich denke viel über die Filme nach, die ich hier produzieren will. Das Rennen ist immernoch weit weg in meinem Kopf. Ich habe dafür noch immer keinen Platz. Irgendwie verrückt, denn das ist es doch für was ich eigentlich hier bin. Mein Drehplan sieht allerdings heute noch einiges vor. Ich gehe mit Antje und dem ganzen Equipment an den Strand drehe einige Bilder von ihr. Danach gehts wieder in das schöne Cafe. Diesmal aber um zu arbeiten. Ein paar kleine Szenen und ein langes Interview mit ihr und eins mit Rafael. Es läuft gut und ich bin sehr zufrieden. Das beruhigt mich etwas. Am Abend gehen alle Little Desert Runners noch gemeinsam in ein Fischrestaurant auf einem Steg. Bestimmt wunderschön hier. Leider ist es dunkel und man sieht nicht ob es das wirklich ist. Besonders hervorzuheben: Der Schoko Volcano als Desert. Daran werde ich in der Wüste oft denken. Ein Traum!

Mein Hotelzimmer teile ich in der kommenden Nacht mit Peter, einem Schnarcher. Viel zu spät lege ich mich schlafen. Ich muss noch das Drehmaterial überprüfen und auf den Laptop überspielen. Und wegen der hohen Geräuschkulisse und der jetzt doch steigenden Aufregung bekomme ich in dieser Nacht nicht besonders viel Schlaf. Dabei geht es doch morgen schon in die Wüste. Das Frühstück ist dann umso ausgiebiger. Ein letztes Mal so richtig satt essen mit Dingen die einem schmecken und die vor allem auch ein paar gesunde Anteile haben.

Dann ist Briefing.

149349823020170429_Namibia_Stage0_Small-15

Spätestens jetzt merke ich wieder um was es hier geht. Ich schwanke zwischen Vorfreude, Zweifel, Angst und tiefer Überzeugung das Richtige zu tun.

DSC00673

Beim Equipmentcheck ist alles OK. Ich habe alles dabei.

149346375720170429_Namibia_Stage0_Small-56

Mein Rucksack ist sogar leichter als erwartet. Gerade einmal 7,8 kg (ohne Wasser). Damit bin ich bei den Leichtesten. Der schwerste Rucksack wird mit ca. 15kg gemessen. Das wäre unmöglich für mich damit ins Ziel zu kommen. Ich frage mich ob derjenige ne Kaffeemaschiene eingepackt hat. Wie auch immer, nicht mein Problem. Und wieder muss ich filmen. Antje ist dran, das muss festgehalten werden. Als alle durch sind gibt es noch Lunchpakete und dann heißt es warten bis zur Abreise.

IMG_8790

Ein Rentnerpaar fragt uns was wir hier machen. Als wir von dem 250km Rennen durch die Namib erzählen, kommt von ihr ganz trocken: „Das kann aber fai anstrengend werden.“ Ein großes Gelächter bricht aus. Das sind Momente die man so schnell nicht vergisst. Und soll ich euch was sagen. Diese Frau hatte Recht.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: