Sahara Race Namibia 2017 – Teil 2

Es geht los! Das Abenteuer kann beginnen.

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Gepäck zurück lassen und ab in die Busse, die uns ins Herz der Namib bringen. Ab jetzt leben wir mit dem Nötigsten. Alles in einem Rucksack, möglichst leicht aber genug um überleben zu können. Essen für 7 Tage, jede Menge Pflichausrüstung die einem notfalls das Überleben ermöglichen, wie Kompass, Notfall Pfeife, kleines Messer, Verbandsmaterial, Schlafsack, Licht, etc…

Die Fahrt geht durch karges, trockenes Land und die Stimmung ist sehr speziell. Es ist oft ganz Still im Bus als würde sich jeder innerlich noch einmal verabschieden, dann wieder viel aufgeregtes Gemurmel und Gelächter. Die 3,5 Stunden Fahrt vergehen recht schnell und wir werden von einem afrikanischen Stamm mit einer Gesangseinlage empfangen. Eine magische Stimmung. Das ist Afrika! Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken runter als ich Schritt für Schritt auf unser erstes Camp zu gehe.

Gateway to the Skeleton Coast National Park

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Wie wird wohl die erste Nacht? Kann ich diese 250km, die vor mir liegen, wirklich schaffen? Ich bin so gespannt was mich alles erwartet. Ich ziehe mich kurz zurück, setze mich in den Sand und denke an meine Mädels. Nicht mal 2 Stunden später sitzen wir unter einem wahnsinns Sternenhimmel. Es ist irgendwie unwirklich was hier passiert. Knapp 100 Läufer und 70 Teammitglieder sitzen mitten in der Wüste andächtig am Lagerfeuer. Drum herum… nichts.

Nur die Weite der Wüste und das Funkeln der Sterne.

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Wir gehen früh schlafen. Das Zelt teile ich mir die komplette Woche mit Antje, Kirsten, Nicola, Rolf, Carolina, Martina und Rafael. Wir sind eine super Truppe. Als wir gegen 5:30 Uhr wach werden ruft Rafael erfreut: „Keine Schnarcher, 8 Läufer in einem Zelt und wir haben keinen Schnarcher!“ Super! Geschlafen habe ich aber trotzdem nicht besonders gut. Aber das ist wohl normal, wenn man vor einer solchen Mammutaufgabe steht. Gut gelaunt schält sich jeder aus seinem Schlafsack. Man glaubt gar nicht wie schnell so 2,5 Stunden vorbei gehen können. Rucksack packen, frühstücken, Morgenhygiene inkl. Toilettengang, Getränke vorbereiten, den Chip aktivieren, der zur Zeitmessung verwendet wird, und schon sind es nur noch wenige Minuten bis zum Start des Sahara Race 2017. Mein Puls liegt bereits jetzt bei 120 obwohl ich mich noch nicht bewegt habe. Um kurz vor 8 finden sich alle an der Startlinie ein. Läufer aus 39 Nationen wünschen sich gegenseitig „Good luck“ und klatschen ab. Es fühlt sich richtig an das hier zu tun. Dann ist es tatsächlich soweit.

Der Moment ist gekommen und Samantha, die Renndirektorin, beginnt runter zu zählen. 3, 2, 1, Go!

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Voller Enthusiasmus und Endorphine renne ich am hinteren Feld los. Ich will erst mal in einer beobachtenden Position bleiben und das Ganze langsam angehen. Aber wie unser Coach, Rafael Fuchsgruber, immer zu sagen pflegt. „Es ist gut wenn man Pläne hat, man muss aber jeder Zeit bereit sein sie in die Tonne zu kloppen.“ Und genau so mache ich es. Ich gebe ein bisschen Gas weil ich die Energie die in mir schlummert nutzen will. Das Feld ist noch relativ dicht bei einander als wir über eine weiße Ebene laufen. Ich übertreibe es nicht und dennoch ist mein Puls etwas zu hoch. Schnell bin ich im ersten Drittel angekommen.

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Ich habe tierisch Spaß und unterhalte mich mit meinen Mitstreitern. Markus, ein in New York lebender sympathischer Schweizer, gibt mir den Tip ab und an mal anzuhalten und die Schönheit der Wüste zu genießen. Es ist bereits sein vierter Wüstenlauf innerhalb 2 Jahre. Ich will das beherzigen. Die Landschaft hat wirklich eine spezielle Schönheit. Wir laufen über ein weites Flußbett. Auf den ersten Blick ist es trist und eintönig. Aber wenn man es wirken lässt und genauer hinschaut tut sich das komplette Gegenteil auf. Alle paar Kilometer wandelt sich das Bild komplett. Von flach und weit in verwinkelt und hügelig. Die verschiedenen Farben von rotem, weißen und schwarzen Sand ergeben eine malerische Kulisse. Mit meinem Freund Christoph Harreither witzel ich kurz und auch Jerry bringt mich zum Lachen.

So überhole ich nach und nach das Feld und arbeite mich langsam aber stetig nach vorne. Zwischen Checkpoint 1 und Checkpoint 2 laufe ich auf den schweizer Christoph auf.

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Der bisher schönste Abschnitt. So stelle ich mir den Mond vor. Schwarze messerscharfe Steinplatten spitzeln aus dem hellen krustigen Sandboden.

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Stolpern möchte man hier nicht. Offene Beine wären das Resultat. Wir überqueren gemeinsam mehrere kleine Hügel und sind begeistert von der Umgebung. Der nächste Läufer ist nicht weit vor uns, es ist Kuno, ein weiterer Little Desert Runner.

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Langsam kommen bei mir leichte Zweifel auf, ob ich es nicht doch zu schnell angegangen habe. Ich müsste mich bereits etwa auf Position 16 befinden. Aber wenn es gut läuft, warum sollte ich mich bremsen. Ich fühle mich super und genieße das Rennen.

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Auf dem Untergrund lässt es sich gut laufen und der Kurs ist nicht besonders anspruchsvoll mit nur wenigen Höhenmetern. Ich kann mein Tempo halten und sammle weitere Läufer ein als plötzlich in der Ferne zwei weitere auftauchen. Vom Laufstil könnte der eine Rafael sein. Ungläubig beobachte ich ihn weiter. Sollte ich wirklich so weit nach vorne gelaufen sein. Es sind noch etwa 12 Kilometer und ich hole weiter auf. Schritt für Schritt komme ich näher und Schritt für Schritt wird mir klarer, dass es tatsächlich mein Freund und Laufidol ist. Ich kann es schaffen zu ihm aufzuschließen da bin ich mir sicher. Also tue ich das. Am letzten Checkpoint laufe ich einfach weiter. Ich habe genug Wasser für den Rest der ersten Etappe. Somit bin ich in direkter Schlagdistanz. Den anderen Läufer habe ich am Checkpoint überholt. Es ist Sascha, ein weiterer Little Desert Runner.

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Rafael bemerkt mich nicht. Ich sauge mich langsam ran. Als ich dann neben ihm bin ist die Freude groß. Wir schlagen ab und beschließen die letzten 6 Kilometer gemeinsam zu laufen. Wir befinden uns auf Position 11 und 12. Vor uns in Sichtweite 2 weitere „Konkurrenten“. Ich schlage vor das Tempo hoch zu halten um in den Top 10 zu beenden. Wir schnappen uns erst Bent aus Dänemark und dann Tobias aus Namibia. Als ich am Horizont das Zielbanner entdecke bekomme ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Hand in Hand überquere ich schließlich mit meinem Mentor auf Platz 9 die Ziellinie.

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Wir liegen uns gefühlte Minuten in den Armen. Was für ein Gefühl! Meine erste Wüstenetappe ist perfekt gelaufen. Dass ich so weit vorne landen würde hätte ich mir nicht zu erträumen gewagt. Und ich habe nicht mal das Gefühl, dass ich mich übernommen habe. Im Gegenteil ich fühle mich gut. Klar bin ich müde und etwas fertig aber in einem gesunden Maß. Die Topläufer gratulieren mir und ich setze mich hochzufrieden zu ihnen.

Ein bisschen fühle ich mich selbst wie ein Champion.

Nachdem ich im Zelt meine Beine ein wenig hochgelegt habe, begebe ich mich wieder an die Ziellinie um die ankommenden Läufer zu feiern. Es ist ein unglaublicher Zusammenhalt hier. Das ist bereits am ersten Tag zu spüren. Freude und Leid wird hier geteilt.

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4 thoughts on “Sahara Race Namibia 2017 – Teil 2
  1. Nobs, du unglaublicher Mensch!! Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Rennen. Und zu deinen tollen Artikeln!! 🙂 Wie viel Kilometer bist du denn auf der ersten Etappe gelaufen???

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