Sahara Race Namibia 2017 – Teil 3

Purple Oasis

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Am ersten Race Day Abend erzählt man sich gegenseitig von seinen Erlebnissen. Es scheint für wirklich jeden Teilnehmer ein toller Tag gewesen zu sein. Nicht lange nach Einbruch der Dunkelheit geht es um 19:30 Uhr ins Zelt. Vorher verschlinge ich natürlich noch mein leckeres Astronautenfutter. 800 kcal. Ne ganz schöne Bombe. Es gibt Chicken Tikka mit Reis. Wahnsinn wie gut das schmeckt! Liegt es an meinem Kohldampf oder ist das wirklich so gut? Ich werde es wohl nie herausfinden. Danach denke ich zum ersten mal an den Schoko Volcano. Bevor mir das Wasser im Mund zusammenläuft, lenke ich mich direkt ab. Blos keine Gedanken an Schokolade aufkommen lassen. Nicht jetzt schon. In der Vorbereitung auf das Rennen habe ich so viel Schokolade vertilgt, meine Frau nannte mich schon „Ritter Sport“. Ich bin gespannt was der nächste Tag bringt und schlafe recht schnell ein. Natürlich wird das Traumland des Öfteren abrupt verlassen. Einmal gehe ich raus um die Wüste zu gießen, dabei gönne ich mir noch einen kurzen Blick zur Milchstraße. Nein, ich habe dabei nicht an Kinderschokolade gedacht.

Wenn man hier so steht spürt man förmlich wie klein und unbedeutend wir doch sind.

Klein und unbedeutend erscheint mir aber die Aufgabe am nächsten Morgen nicht. Samantha erzählt im Briefing was uns erwartet. Nach den 37,8 km vom Vortag mit dem wundervollen Namen „The Symphony of Life“ bekommt die heutige 39,5 km lange Etappe den Namen „Diamond Trail over Scotts Bridge“. Kirsten spricht mich beim Müsli Frühstück an und fragt ob wir die ersten Kilometer gemeinsam laufen wollen. Sie würde heute, nachdem sie gestern als dritte Frau im Ziel war, mal weiter vorne angreifen wollen. Ich fühle mich etwas geehrt und freue mich darüber. Meine Strategie für den Tag: Alles so machen wie gestern. Besser könnte es nicht laufen. Wir gehen also gemeinsam an. Ich mache das Tempo.

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Kirsten scheint das auch zu liegen. Es ist etwas wärmer als am ersten Tag. Aber immernoch gut auszuhalten. Ich schätze so gut 30 Grad. Die Sonne brennt aber der Wind ist ziemlich stark und angenehm. Zum Glück die meiste Zeit von hinten.

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Es geht rauf und runter und dann durch ein wunderschönes Tal bevor wir die Scott Bridge überqueren. Unter uns liegt das Löwental.

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Wir haben aber keinen entdeckt. Und wenn wäre es nicht so schlimm gewesen. Ich habe in meiner Vorbereitung extra nachgelesen, was zu tun ist, wenn man von einem Löwen angegriffen wird. Immer auf die Augen hauen. Von daher mache ich mir da keine Sorgen. Über den Verlauf dieser Etappe auch nicht. Es läuft wieder super. Ich spreche mich mit Kirsten ab, wie ich mir mein Rennen einteilen will. Bis Checkpoint 2, sprich 21,4 km, dieses Tempo beibehalten. Immer schön gleichmäßig. Zwischen Checkpoint 2 und 3 würde ich dann gerne etwas anziehen. So habe ich das am Vortag auch gemacht.

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Nachdem wir die ersten kleinen Sanddünen überquert haben und dabei vor Freude laut ausgerufen haben, erreichen wir schon bald den Checkpoint 2.

Well done!

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Ertönt es. Ich werde diesen ruf von Dolphen, dem Checkpoint Chef, mein Leben lang nicht mehr aus den Ohren bekommen.

Allerdings merke ich spätestens hier, dass ich leichte Probleme bekomme. Ich habe Druck im Magen und mir fällt es schwer meine Mineralien zu trinken. Wir verlassen den Checkpoint gemeinsam aber ich muss etwas Tempo rausnehmen. Kirsten geht es weiterhin super. Sie ist frisch und sie könnte eigentlich schneller. Ich merke das und schicke sie los. Sie soll keine Rücksicht nehmen und macht direkt einige hundert Meter gut. Allerdings scheint sie so fokussiert, dass sie den Track verliert. Sie rennt an einer Abzweigung vorbei. Ich stürme auf einen Hügel um sie darauf aufmerksam zu machen. Zum Glück entdeckt sie mich ziemlich schnell. Sie kehrt um und bedankt sich artig. Ich verliere durch diese Aktion 2 Plätze, die wir uns vorher hart erkämpft haben. Es kostet mich aber nicht mehr als 2 Minuten. Von daher alles gut. Kein Grund sich zu ärgern. Im Gegenteil es gibt mir das gute Gefühl eine gute Tat getan zu haben.Schließlich soll sie ja nicht so enden, wie scheinbar einige Lebewesen hier in der Wüste. Immer wieder landen die Füße direkt neben Knochen und Skeletten.

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Kirsten ist der Wahnsinn! Wie sie hier ihren Stiefel durchzieht.

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Wie eine Maschine gräbt sie sich durch die Wüste, bis ich sie aus den Augen verliere. Durch die kleine Tempoentschärfung komme ich aber gut klar. Wir passieren eine Diamten Miene und laufen die ersten paar Meter am Meer entlang. Es ist wunderschön und landschaftlich widerrum sehr abwechslungsreich. Ich versuche mir immer wieder einzureden, dass es mir nicht um Platzierungen geht sondern einfach nur darum das alles zu genießen. Das fällt mir aber nach meinem guten Abschneiden am ersten Tag schwer. Auch heute habe ich die gleichen „Konkurrenten“ um mich. Den Rumänen Andrei und auch Kuno konnte ich bereits wieder hinter mir lassen. Nicola, mein Zeltmitbewohner, der schon etliche Wüstenläufe sehr erfolgreich bestritten hat, ist direkt vor mir und auch Christoph aus der Schweiz ist nicht weit entfernt. Ich komme schließlich als 13ter mit einer Zeit von 4:30 über die Ziellinie.

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Kirsten beendet als erste Frau, 8 Minuten schneller. Dass sie damit die Gesamtführung der Frauen übernimmt wird ihr erst später klar. Und das bei ihrem ersten Wüstenrennen. Dicker Respekt!

Ich bin zu diesem Zeitpunkt in der Gesamtwertung auf Platz 11 und sowas von zufrieden.

Das „Skeleton Coast Camp“ ist nur durch ein paar Sandhügel von der Südatlantik Küste getrennt.

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Sascha erzählt mir, dass er seine Beine schon darin abgekühlt hat und auch Peter behauptet ich hätte ein Highlight für unseren Film verpasst, als er splitterfasernackt ins Meer gesprungen sei. Ob das der Wahrheit entspricht wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben.

An diesem Abend gehe ich zum ersten Mal ins Cybertent um zu schauen ob ich schon Nachrichten aus der Heimat bekommen habe.

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Und tatsächlich:

Thomas: „Viel Erfolg und viel Spaß. Tom“

Michael: „Hennef grüßt unsere 2 Läufer und ganz liebe Grüße des Champions League Stammtisch an dich Steffen!“

Andrea: „Hallo Steffen! Wir verfolgen dein Rennen und sind unglaublich stolz auf dich! Mach weiter so!!! Wir wünschen dir viel Kraft für die nächste Etappe. Wir sind in Gedanken oft bei dir, dein Schwesterherz+Schwager“

Ute: „Hallöchen. Herr Neupert…machst das gut… siehst auf den Fotos ganz schön entspannt aus…dann mach mal weiter so.. Viel Spass noch….Liebe Grüße und weiter soooo…. Mara und Ute“

Johanna: „Hallo mein Schatz, wir sind sooooooo unglaublich stolz auf dich. Ich hoffe es geht dir gut und du kannst das ALLES genießen. Paula und ich sind ab 17 – 18 Uhr ganz aufgeregt und schauen alle paar Minuten ob es neue Ergebnisse gibt. Wobei es uns egal ist wo du stehst. Wichtiger ist zu sehen, dass du noch läufst und anhand der Zeit scheint es dir auch ganz gut zu gehen. Ich hoffe du hast keine großen Schmerzen. Und wenn doch, hoffe ich du triffst die richtige Entscheidung. Ich bin jedenfalls sehr sehr stolz auf dich. Wir stehen morgends in Gedanken mit dir auf und gehen mit dir ins Bett. Jeden Abend beten wir für dich. Wir umarmen dich ganz fest und schicken dir all unsere Energie für den nächsten Lauf. KUSS***“

Während ich das lese muss ich mir die Tränen verdrücken. Man ist so wahnsinnig emotional hier in der Wüste. Ich denke das liegt daran, dass man auf das Wesentliche reduziert ist. Ich nehme diese wunderschönen Gedanken mit in meinen Schlafsack und freue mich schon bald alle meine Lieben wieder in den Arm nehmen zu können.

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One thought on “Sahara Race Namibia 2017 – Teil 3
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