Run 50 again / Rheinhöhenlauf

Ich bin Wiederholungstäter. Und womit? Mit Recht!

Der Run 50 ist ein besonderer Lauf.

Ich denke das sehen alle 188 Starter genau so wie ich. Das liegt nicht nur an der freundlichen familiären Atmosphäre mit tollen Begegnungen sondern auch schlicht an der Tatsache, dass es nicht ein Lauf ist sondern drei. Am Freitag stehen 14, am Samstag 21 und am Sonntag 15 Kilometer an. Allesamt durch die wunderbare Natur zwischen Siebengebirge und Westerwald. Es geht hoch und runter. 1000 Höhenmeter durch den Wald. Dieses Jahr fällt der Lauf mitten in meine Vorbereitung zum Platinmann. Doch dieser wird leider abgesagt. So mache ich also den Run50 zu meinem Hauptlauf. Doch eigentlich ist die Vorbereitung dafür zu kurz. Der Plan: Ich versuche das Beste rauszuholen. Denke nicht, dass ich an mein für mich tolles Ergebnis aus dem Vorjahr rankomme. Ich bin damals mit 3:51:54 auf Platz 6 gelandet.

Am 21.9. stehe ich, ohne genau zu wissen wo ich fitnessmäßig stehe, an der Startlinie. Ich will es trotzdem riskieren mit der Pace aus dem Vorjahr die erste Etappe zu laufen. Einige bekannte Gesichter vom Vorjahr habe ich schon gesichtet. Unter anderem den Sieger und zwei meiner direkten Mitstreiter aus 2017.

In der schönen Altstadt von Linz am Rhein verpasse ich den Start.

Meine GPS Uhr ist noch nicht soweit. Hier habe ich also die 31 Sekunden verloren, die mir am Ende für etwas ganz Besonderes gefehlt haben 😉

Oder doch an der Treppe, die es am Stadtausgang hochgeht. Hier muss ich kurz anhalten um meine Kompressionssocken hoch zu ziehen. Vorher vergessen. Was ist nur los? Kann nur besser werden. Aber es läuft gut, ich bin in der Spitzengruppe dabei. Habe bis einschließlich Platz 1 alle im Blick. Das macht Spaß auch wenn ich nah an meinem Limit laufe. Lange Zeit bin ich relativ einsam auf Platz 4 unterwegs. Die ersten 3 haben sich etwas abgesetzt. Ich kann aber gegen Ende wieder etwas aufholen, jedenfalls auf Platz 3. Doch dann kommt ein junger großer Läufer an mir vorbei geflogen. Was geht denn jetzt? Er scheint sich die Strecke wirklich gut eingeteilt zu haben. Scheinbar ist er einfach stärker als ich. Ich muss ihn ohne große Gegenwehr ziehen lassen. Er ist einfach zu schnell. So komme ich sehr glücklich als Fünfter ins Ziel und das sogar über eine Minute schneller als im Vorjahr, noch dazu mit geringerem Durchschnittspuls. Ich sollte also auf der langen Etappe angreifen, beschließe ich auf der Heimfahrt. Wenn ich hier was reißen will, dann muss ich beim Halbmarathon alles geben. Das Treppchen war noch nie so nah wie hier und jetzt. Zu Hause angekommen versuche ich bestmöglich zu regenerieren und ich freue mich jetzt schon riesig auf die nächste Etappe. Anders als im Vorjahr, als man den Halbmarathon (Rheinhöhenlauf) noch einzeln buchen konnte, ist es diesmal ein 5 Runden Kurs. Noch ahne ich nicht, dass mir das an diesem Samstag sehr entgegen kommen wird.

22.9.2018, ich spüre meine Beine vom Vortag. Aber ich gehe davon aus, das wird den anderen ähnlich ergehen. Nicht daran denken und Zeit gut machen.

Ich will auf’s Treppchen!

Ich bin fokussiert und versuche zu taktieren. Doch das fällt schwer, wenn man so nah am Limit laufen muss. Ich hänge mich an den viert platzierten vom Vortag und hoffe gegen Ende noch mal angreifen zu können. In der fünften und letzten Runde fasse ich mir ein Herz und hau alles raus.

In den 4 Runden vorher konnte ich feststellen an welchen Punkten der Strecke meine Stärken und die Schwächen der vor mir Laufenden liegen. Es sind die Downhills, wo ich Zeit gut mache, also will ich genau da noch mehr auf die Tube drücken. Das gelingt mir gut. Den direkt vor mir liegenden überhole ich direkt am Anfang der Runde an der Verpflegungsstation. Dann der erste Downhill. Ich bin dran an Platz 3.

Am zweiten Downhill kann ich vorbei gehen. Das lasse ich mir nicht mehr nehmen. Kurzzeitig bin ich sogar auf Position 2. Diese Platzierung muss ich allerdings kurz darauf wieder aufgeben. Ich reiße eine Lücke zwischen mir und Platz 4. Er scheint das Tempo nicht mitgehen zu können. Der Plan ist aufgegangen. Ich laufe das erste Mal in meinem Leben als Dritter über die Ziellinie. Was für ein Gefühl! Hammer!

In der Gesamtwertung liege ich jetzt auf Platz 4.

Es sind 35 Sekunden zu Platz 3. Nach hinten habe ich 28 Sekunden Puffer. Zwischen Platz 3 und einschließlich 6 liegen nur 80 Sekunden. Da ist noch nichts entschieden. Die letzte Etappe wird ein Kampf um Platz 3. Platz 1 und 2 scheinen vergeben.

Sonntag, 23.9.2018, es ist ein nasser kühler Herbstmorgen. Doch pünktlich zum Start hört es auf zu regnen. Ich bin etwas nervös und meine Beine miauen. Muskelkater! Egal. Nur noch 15 Kilometer und noch habe ich die Chance auf mein erstes Treppchen. Es geht los. Die ersten sechs inklusive mir geben richtig Gas. Wir rennen los wie junge Wildpferde. Es fällt mir schwer das Tempo mit zu gehen. Platz 1 (Andreas Mertesacker), 2 (Andre Weber) und 6 (Christian Diederich) drücken dermaßen auf die Tube, dass ich sie ziehen lasse. Insgeheim hoffe ich, dass sich Christian übernimmt. Sollte er das durchhalten hat er das Treppchen verdient. Dann hat er sich die 3 Tage wohl einfach besser eingeteilt. Ich laufe Seite an Seite mit Platz 3 (Michal Zajac) in der Gesamtwertung. Michal, Platz 5 (Peter Budek) und Christian gilt es zu schlagen. Christian übernimmt jetzt sogar die Führung. Er hat sich wohl einiges vorgenommen. Ich behalte das alles glücklicherweise im Blick. Noch sehe ich es gelassen.

Am Ende kackt die Ente!

Wir versuchen soweit dran zu bleiben, dass der Abstand nicht zu groß wird. Doch wir sind dann doch knapp 1 Minute dahinter. Damit wäre für uns beide (bisher Platz 3 und 4) das Treppchen weg. Peter läuft jetzt auch an unsrer Seite. Er war bis Kilometer 6 auch leicht vor uns. Es ist eine Mischung aus Verfolgergruppe und Dreikampf. Man merkt es geht für jeden von uns um Platz 3. Ab der Hälfte der Strecke geht es hauptsächlich bergab. Das sollte eigentlich meine Stärke sein, doch hier noch 35 Sekunden rauszuholen ist fast unmöglich, wenn man leistungsmäßig so nah beieinander liegt. Ich versuche mich zweimal von den beiden abzusetzen, schaffe es aber nicht. Also spreche ich kurz mit Michal und wir beschließen den Abstand zu Christian zusammen zu verkürzen, da wir unsere Gesamtplatzierungen (3 und 4) ansonsten verlieren würden. Christian ist mittlerweile auf Platz 3 zurückgefallen. Wir kommen näher. Das motiviert und wir bleiben konstant auf Vollgas. Peter will sich jetzt von uns absetzen, er kann tatsächlich noch eine kleine Schippe drauflegen. Glaubt er tatsächlich noch ans Treppchen? Mein Abstand zu ihm war vor dem Lauf 28 Sekunden. Michal hat sogar 59 Sekunden Vorsprung auf ihn. Das sollten wir beide verteidigen können. So ist es auch. Wir sind in Linz angekommen und haben auf Christian fast aufgeschlossen. Ich laufe als vierter über die Ziellinie und kann so auch als gesamt Vierter (Altersklassengewinner M35) den Run50 abschließen.

Was für ein Lauf! Es war ein Kampf um die Platzierungen bis zum Schluss. Einfach geil!

Sorry, aber das musste jetzt mal raus. Ich bin mehr als zufrieden auch wenn ich mit meiner Gesamtzeit von 3:47:02 knapp das Treppchen verpasst habe. Mir haben am Ende 31 Sekunden gefehlt.

Fast 6 Minuten vor mir gewinnt wie in den beiden Jahren vorher Andreas Mertesacker. Herzlichen Glückwunsch! Ebenso gratuliere ich Andre und Michal zum Treppchen.

Ihr habt es verient. Aber nächstes Jahr greife ich wieder an. Soviel steht fest. Verabredet haben wir uns ja schon. Es war ein sensationelles Rennen. Gratulation auch an alle diesjährigen Run50 Finisher und vielen Dank an alle Helfer und Organisatoren.

Ihr seid der Hammer! Ich freue mich jetzt schon wieder auf nächstes Jahr…

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