Rodgau 50 – 2019

Ich machet kurz. Habs ja schon mal erlebt im Zuge meiner Vorbereitung zum Sahara Race 2017.

Der legendäre Rodgau 50 ist dieses Jahr 20 geworden und ich bin dabei sowie 850 weitere Starter. Deshalb gibt es diesmal auch ein besonderes Präsent vor dem Start. Ein Rucksack für die extra langen Läufe. Und im Ziel warten zum ersten Mal Medaillen.

Die Extramotivation!

Also, um 10 Uhr geht es bei Eiseskälte auf die noch etwas rutschige 5 Kilometer Runde. 10 mal will ich hier über diese Start und Ziellinie fliegen. Von Fliegen kann allerdings maximal 6 Mal gesprochen werden, dann geht es über in Laufen, dann Joggen, dann Quälen. Die letzten beiden Runden breche ich ziemlich ein.

Bis Runde 6 ging mein Plan perfekt auf.

Langsam starten (5:30er Pace) dann Runde für Runde steigern. Ab Runde 6 will ich die 4:50 – 5er Pace halten. Das gelingt mir aber leider nicht. Dazu bin ich einfach nicht fit genug. OK ich könnte es auch auf den rauen Wind schieben. Das wäre aber lächerlich. Die 40km/h Böhen klauen mir maximal 2 Sekunden pro Kilometer. Am Rest bin ich schon selber Schuld. Aber ich bin dennoch zufrieden, weil ich für meine Tagesform wirklich das Beste raushole. Mehr ist nicht drin.

Ich bin platt als ich nach 4:29 das Ziel erreiche.

So platt, dass ich erstmal komplett vergesse mir meine Medaille abzuholen. Zum Glück machen mich Mitläufer darauf aufmerksam nachdem ich von meiner Umwelt wieder etwas mitbekomme.

Kurz noch ausruhen, was trinken, essen, umziehen und mit Motsch zurück zum Auto wackeln. 800 Meter, die sich echt weit anfühlen. Wie kann man nur so bescheuert sein und freiwillig 50 Kilometer im Kreis laufen und dafür noch Geld bezahlen? Es ist mein 6ter Ultramarathon und während mir wie schon des Öfteren diese Frage durch den Kopf schießt ist mir die Antwort eigentlich schon klar. Es gibt sie nicht. Diese eine Erklärung. Mal ist es das Gefühl seine Grenzen zu spüren und diese zu überwinden. Sich selbst kennenzulernen. Mentale Stärke zu erlangen. Mal ist es die Faszination am Rennen selbst. Auf einem Ultra kann alles passieren. Ich kann über mich hinauswachsen, ich kann völlig einbrechen. Wie reagiere ich mental auf diese Situationen. All das ist spannend und nichts kann das so gut wie ein Ultramarathon. Manchmal ist es aber auch schlicht der Drang das zu erreichen was man sich als Ziel gesetzt hat. Und Ziele sind wichtig um nicht in Stillstand zu verfallen. Genauso wie die Neugier. Die kann auf verschiedene Weise gestillt werden. Ich bin jedenfalls neugierig was ich noch alles laufend entdecken kann. Da draußen in der Welt und da drinnen in mir.

Laufen ist leben. Sehr langes Laufen ist leben mit allen Facetten.

Der Rodgau 50 hat wieder riesen Spaß gemacht und ich blicke zurück auf eine top organisierte Veranstaltung mit vielen Gleichgesinnten. Die halbe Ultra Szene ist hier versammelt und ich durfte einige Bekannte treffen. Ein toller Tag im schönen Hessenland. Und zum Abschluss darf ich noch einen wunderschönen Familienabend mit Papa und meinen Schwestern in einem Restaurant in meiner Ex-Heimat Alzenau verbringen.

Ich komme wieder. Ganz bestimmt.

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One thought on “Rodgau 50 – 2019
  1. Hallo Steffen,
    wieder ein interesanter Bericht.Ich mag Deine Berichte, denn sie sind einfach spannend, egal ob über Würmchen und co oder Maratone oder Wüstenläufe. Es gibt einem einfach einen schönen Einblich in Dein u. Euer Leben.
    Danke dafür.
    Papa und de Opa der zweieinhalb Enkel

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